Platte11

Von Heinz Gelking

Axel Strauss, San Francisco Conservatory Orchestra, Andrew Mogrelia: Violinkonzerte Nr. 17-19 von Rodolphe Kreutzer

Naxos 8.570380

Short summary in English: Excellent violinist Axel Strauss plays these concerts with charme and very tastefull.

Es gehört zu den kleinen Absurditäten der Musikgeschichte, dass der Name von Rodolphe Kreutzer (1766-1831) allgemein weniger durch dessen eigene Werke als durch den Beinamen einer Violin-Sonate von Ludwig van Beethoven (op. 47) und den Titel einer Novelle von Leo Tolstoi in Erinnerung geblieben ist. Nur ambitionierten Geigenschülern blieb er immer präsent – Kreutzers Violin-Etüden entgehen sie nämlich nicht.

Darüber hinaus schrieb der komponierende Virtuose neben Kammermusik immerhin 39 Opern und 19 Konzerte für Violine und Orchester. Die letzten drei Konzerte verlangen ein im Umfang, aber auch hinsichtlich der klanglichen Prägung an der Schwelle zwischen Klassik und Romantik stehendes Orchester sowie einen Solisten, der nicht nur den recht erheblichen Anforderungen dieser Musik gewachsen ist, sondern sie auch in musikalischer Hinsicht ernst nimmt. Das haben sie übrigens unbedingt verdient. Man höre nur den dramatischen Beginn des Kopfsatzes von Nr. 19!

Nebenbei: Wenn wir als einziges Violinkonzert aus diesem Zeitraum immer und immer wieder nur Beethovens geniales op. 61 hören, verlieren wir auch die Wahrnehmung für dessen Bedeutung. Im Grunde waren Kreutzer, aber auch Giovanni Battista Viotti oder Pierre Rode für das Violinkonzert um1800 schon wegen ihrer erheblichen Produktionsrate und als reisende Solisten gewiss bestimmender als Beethoven, der Solitär.

Axel Strauss spielt die Konzerte technisch vollkommen mühelos und mit viel Charme sowie großem Geschmack, ganz so als kenne und geige er diese ohne Grund außerhalb des üblichen Repertoires liegenden Konzerte schon ewig. Neben dem exzellenten Solisten bleibt die durchaus souveräne Leistung des gut vorbereiteten (Studenten-)Orchesters ein wenig blass, gleichwohl: hörenswerte Musik in einer rundum zufriedenstellenden, zudem preiswerten und auch klangtechnisch ordentlichen Einspielung.

— 18. März 2011