Platte11

Von Heinz Gelking

Bartók Quartet: Streichquartette op. 11 und op. 30 von Tschaikowsky (Tacet 113)

Unter dem Titel „Summary” eröffnet Tacet eine Reihe mit Aufnahmen älterer Künstler. Wurde aber auch Zeit, dass jemand das um sich greifende Motto „Jünger, schöner, besser zu fotografieren” durchbricht!

Das Bartók-Quartett wurde 1957 gegründet und spielt in der aktuellen Besetzung seit 1985 zusammen – Primarius und Bratscher bilden als Mitglieder der ersten Stunde das „historische Rückgrat”. Die mit fantastischen italienischen Instrumenten ausgerüsteten Ungarn haben Tschaikowskys op. 11 und op. 30 eingespielt – mit einem wunderbar homogenen, fast orchestral wirkenden Klang, dessen Sinnlichkeit sich moderne Ensembles auf der Suche nach einem ins Extreme gesteigerten Ausdruck oft versagen.

Vielleicht bedeutet Alter für Interpreten ja auch, bestimmte Haltungen hinter sich lassen zu können, weil man nichts mehr beweisen muss: Hier hört man keinen gleißenden Perfektionismus. Sondern ein Musizieren mit einer humanen Anmutung, die sich daraus ergibt, dass jahrzehntelang aufeinander hörende Musiker die womöglich für den Tonträgermarkt endgültige Quersumme ihrer Tschaikowsky-Interpretation ziehen.

Zwei Neumann M 49 bürgen als Zeugen für erstklassige Klangqualität.

(Text erschien erstmals in image hifi 6/2002)

—  9. Juni 2009