Platte11

Von Heinz Gelking

Bugge Wesseltoft & Henning Kraggerud: Last Spring

Es ist ein vorsichtiger, ein tastender Ton in dieser Musik. Manchmal entsteht nicht mehr als ein murmelndes, raues Rauschen, wenn Henning Kraggerud den Bogen vorsichtig über Saiten reiben lässt, während Bugge Wesseltoft vom Klavier aus ein paar Farbklekse dazu tupft als sei er ein pointilistischer Maler. Hier verschwimmen alle Genre-Grenzen, auch wenn man hört, dass der Pianist vom Jazz und der Geiger von der Klassik kommt. Gemeinsam interpretieren sie norwegische Volksmusik, aber auch Brahms’ Wiegenlied und „Maria durch ein Dornwald“ ging. Titel gebend für die CD war ein Stück von Edvard Grieg: Der letzte Frühling.

Alles ist einfach, still und klar, wirkt fast meditativ. Jedoch nicht simpel: Weder gehören dem Geiger die Melodien allein, noch ist der Pianist ausschließlich für die harmonische Unterfütterung zuständig. Von Anfang an scheint die Musik vertraut. Ihren elegischen Charakter, ihre fast gelassene Melancholie bekommt sie nicht nur durch die Ruhe, aus der heraus Wesseltoft und Kraggerud spielen, nicht nur durch die weitgehende Absage ans dramatische Aufbäumen oder jedweden virtuosen Glanz, sondern vor allem durch das Moment weniger spontaner als vielmehr suchender Improvisation. Es klingt manchmal als fänden die Töne erst im Moment des Spielens zusammen und als wären Pianist und Geiger selbst erstaunt, was ihre Hände den Instrumenten vorsichtig entlocken. Neben einer Guarneri von 1744 spielt Kraggerud hier auch eine Bratsche und eine sechssaitige Viola Concorda, deren Tiefe und Volumen dem Cello nahe kommt. Übrigens ist die Klangqualität der von Jan Eric Kongshaug produzierten Aufnahme wunderbar.

Wesseltoft&Kraggerud auf Youtube

— 27. Januar 2014