Platte11

Von Heinz Gelking

Cello-Sonaten von Schostakowitsch (op. 40) und Brahms (op. 38)

Short summary in English: Natalia Khoma and Adrian Oetiker are a good team – they really play chamber-music. The Brahms is good, the Schostakowitsch even excellent. The CD is recorded more than ten years ago and therefore a bit expensive.

Schöne Blumen blühen manchmal im Verborgenen: Centaur Records bringt hier bereits 1998/ 2000 entstandene Aufnahmen von Natalia Khoma und Adrian Oetiker heraus. Die aus der Ukraine stammende Cellistin und den Pianisten aus der Schweiz kennen Sie nicht? Ging mir genauso, obwohl beide Preise bei wirklich renommierten Wettbewerben gewonnen haben. Hier spielen sie Brahms’ Sonate op.38 und Schostakowitschs Sonate op. 40, jeweils zentrale Werke im Jahrhundert ihrer Entstehung. Eine Gemeinsamkeit zwischen beiden Werken liegt übrigens darin, dass beide Komponisten sie mit Ende zwanzig schrieben. Die Aufnahme von Natalia Khoma und Adrian Oetiker ist unbedingt hörenswert, aber gewiss nicht sensationell. Nein, darin liegt kein Widerspruch!

Die Brahms-Sonate setzen die beiden mit eher verhaltener Expressivität um. Wer da etwa die recht bekannte Aufnahmen von Mstislaw Rostropowitsch und Rudolf Serkin von 1981 im Ohr hat, wird jenes romantische Brausen vermissen, das seine Energie nicht zuletzt aus dem Zusammentreffen von zwei starken und mit einer gewissen wilden Entschlossenheit musizierenden Protagonisten bezieht. Natalia Khoma und Adrian Oetiker lassen es harmonischer zugehen. Ihr Duo-Spiel beruht auf gegenseitiger Ergänzung statt Konfrontation. Der Hitzegrad ist geringer. Es geht gesanglicher zu – und etwas schneller. Eine “Mainstream”-Interpretation ohne Überraschungen, aber auf hohem Niveau.

Mehr Biss hat die Interpretation der Schostakowitsch-Sonate. Wobei sich Khoma und Oetiker auch hier weit davon entfernt halten, der Musik etwas aufzuzwingen, was der Notentext nicht von sich aus hergäbe – und das ist viel: Dissonanzen, extreme Dynamikwerte oder von rhythmischer Monotonie gekennzeichnete Passagen gehören ebenso zu dieser 1934 entstandenen Sonate wie Bezüge zur Volksmusik. Die formidable Cellistin und der ihr in musikalischer Hinsicht vollkommen zugewandte Pianist setzen das konsequent um. Eine musterhafte Interpretation: nah am Notentext, perfekt in der kammermusikalischen Abstimmung und zugleich mit persönlichem Ausdruck.

Die Klangqualität der CD ist gut. Der verhältnismäßig hohe Preis für immerhin schon deutlich über zehn Jahre alte Aufnahmen ist mir allerdings unverständlich. Bei den gerne gescholtenen „Majors“ wären sie wohl schon in den Midprice-Bereich gerutscht.

Centaur CRC 3100 CD

— 30. März 2012