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Von Heinz Gelking

Das Geigenbaumuseum in Mittenwald

Nur der Eingang mit dem barocken Schild und dem goldenen Geigenkorpus ist der gleiche geblieben: Vor zwei Jahren wurde das Geigenbaumuseum in Mittenwald neu eröffnet. Das historische Gebäude in der Ballenhausgasse, unweit der Pfarrkirche St. Peter und Paul, war umfassend saniert worden. Bei der Gelegenheit wurde die Ausstellung von Grund auf neu konzipiert. Erstmals werden auch sozial- und wirtschaftshistorische Aspekte des Geigenbaus in Mittenwald thematisiert: Das Rottfuhrwesen auf den Handelswegen zwischen Augsburg und Venedig, die Absatzkrisen nach der Säkularisation und den Napoleonischen Kriegen, die Abhängigkeit der Geigenbauer von den mächtigen Verlegern oder die Ansiedlung sudetendeutscher Instrumentenbauer nach dem zweiten Weltkrieg.


...trank jedoch, wie gewöhnlich zum Frühstück, sein Glas Branntwein…im Geigenbaumuseum Mittenwald spielen auch sozialgeschichtliche Aspekte eine Rolle.

Doch die beeindruckende Sammlung von rund 200 Instrumenten, darunter Originale von Matthias Klotz und Jacobus Stainer, steht natürlich weiterhin im Vordergrund. Sie wird in schlichten Vitrinen zurückhaltend inszeniert. Gut gesetztes Licht lenkt die Aufmerksamkeit auf geflammte Ahornböden, fein gemaserte Fichtendecken und den eleganten Schwung von Schalllöchern.


Manchmal fühlt man sich als Besucher von den Ausstellungsmachern aber auch allein gelassen: Welchen Sinn macht es, drei verschiedene Geigen nach dem Vorbild und Modell berühmter Geigenbauer nebeneinander zu zeigen, ohne auf die – vermutlich im Detail steckenden – handwerklichen Unterschiede hinzuweisen und sie zu erläutern? Der Laie sieht da drei gleiche Geigen – der Fachmann vermutlich drei Bauformen, drei Tradionsstränge, drei Klangideale. Auch würde man gerne erfahren, wie sich ein Stradivari-Modell nun konkret von einem Amati-Modell oder einem Stainer-Modell unterscheidet oder wie sich eine stärkere Deckenwölbung oder eine breitere Bauweise auf den Klang eines Instruments auswirkt oder worin ein Meisterinstrument einer Industriegeige überlegen ist. Gerade demjenigen, der sich für die Akustik der Geige interessiert, bleibt die Ausstellung viele Antworten schuldig – und das ausgerechnet an dem Ort, der die bekannteste Geigenbauschule Europas beheimatet.

Dieser Artikel wird irgendwann in eine noch anzulegende Kategorie “Museen und Ausstellungen” verschoben.

— 31. Mai 2007