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Von Heinz Gelking

Das Glas- und Heimat-Museum in Völklingen-Ludweiler

Auf dem Weg zur Ausstellung im Obergeschoss sehe ich aus dem Fenster. Draußen hängt eine Frau weiße Wäsche auf, eine Zigarette lässig im Mundwinkel. Offenbar hat sie keine Angst, dass der Wind ihr die Asche auf die frisch gewaschenen Sachen trägt. Warum auch? Früher war es hier im Warndt nämlich viel schmutziger. Wobei “früher” schon ziemlich lange her ist.

Der Warndt ist eine Region zwischen dem Saarland und Lothringen und industriegeschichtlich vor allem durch Kohle und Stahl geprägt. Zum drittgrößten Industriezweig entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Glasherstellung. Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die ältesten unter den 23 nachgewiesenen Glashüttenstandorten des Warndt gegründet. Das im Jahr 2007 eröffnete Glas- & Heimatmuseum Warndt in Völklingen-Ludweiler erinnert nun daran.

Die Besucherinnen und Besucher werden im ersten Abschnitt durch Alltagssituationen mit Bezug zum Glas in das Thema eingeführt. Produkten aus Glas begegnet man überall: im Wirtshaus, im Schlafzimmer, in der Küche, in der Vorratskammer, in der Stadtverwaltung und an vielen anderen Orten.

Der relativ beengte Raum in dem kleinen Museum wird dabei so gut wie möglich genutzt. Es wurde gar nicht erst versucht, komplette Gaststuben, Büros oder Zimmer nachzubauen. Vielmehr eröffnen “Schaufenster” den Blick auf inszenierte Ausschnitte, bei denen der Klapptisch für die Gartenlaube oder der Nachttisch für das Schlafzimmer stehen.

Aber nicht nur der Raum war knapp: Das Museum soll mit einem Budget von nur 50000 Euro eingerichtet worden sein. Es verdankt seine Existenz ganz wesentlich dem Engagement eines privaten Glassammlers und wird heute von der Stadt Völklingen und dem Heimatkundlichen Verein Warndt getragen. Auf der Grundlage einer AB-Maßnahme konnte außerdem zeitweise ein Kunsthistoriker beschäftigt werden.

Der zweite Ausstellungsabschnitt befindet sich auf dem Dachboden. Drei Tafeln informieren hier über die Grundstoffe der Glasproduktion und die wichtigsten Herstellungstechniken. Leider werden wichtige Aspekte der Glasproduktion in diesem Museum aber allenfalls gestreift: Vom enormen Holzverbrauch der Glashütten erfährt man nur am Rande, von der Umweltverschmutzung und den Arbeitsbedingungen überhaupt nichts, ja die Glasmacher und ihre Familien kommen in diesem Museum kaum vor!

Aber das Glas- und Heimatmuseum Warndt ist ja auch noch nicht fertig. Etwa Zweidrittel des Gebäudes warten noch auf seine Sanierung; Bergschäden haben es in seiner Struktur angegriffen. Das Museum muss jetzt darauf hoffen, dass es dem Stadtkämmerer von Völklingen und der Lokalpolitik gelingt, in den kommenden Jahren noch mehr Geld locker zu machen. Dann könnten weitere Themen ergänzt und weitere Besucherfragen beantwortet werden: Wie funktionierte der Absatz der Produkte? Wer investierte in Glashütten? Wer arbeitete da? Warum verlor die Glasindustrie im Saarland an Bedeutung?

Mit dem so genannten “Schaudepot” im Dachgeschoss ist ein besonders schöner Raum entstanden. Hier wird Gebrauchsglas von 1880 bis 1939 in schnörkellosen Vitrinen gezeigt, hier findet sich aber auch ein Platz zum Schmökern in Fachbüchern oder für die museumspädagogische Arbeit in einer kleinen Gruppe.

Bevor jetzt jemand falsche Vorstellungen bekommt: Das Museum lohnt sicher keine Anreise von mehreren hundert Kilometern. Dazu ist es zu klein; in 30 Minuten hat man alles gesehen. Aber wer gerade in der Nähe ist (zum Beispiel, um das Weltkulturerbe Völklinger Hütte zu besichtigen), der sollte hier mal vorbeifahren, nein: anhalten.

Glas- & Heimatmuseum Warndt
im heimatkundlichen Verein Warndt e.V.
Am Bürgermeisteramt 5
D-663333 Völklingen-Ludweiler
06898/43626

Öffnungszeiten: Di-So, 14-16 Uhr


Dieser Artikel gehört – wie auch der Text über das Geigenbaumuseum in Mittenwald – zu einer irgendwann einmal einzurichtenden Kategorie mit kurzen Texten über Museen und Ausstellungen, die ich besucht habe.

—  8. Juni 2008