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Von Heinz Gelking

Ein Hifi-Regal als Selbstbau-Projekt

Anlass für den Selbstbau eines Hifi-Regals war eine neue Artikelserie in image hifi. Ich möchte da ein paar komplette Hifi-Ketten vorstellen – Tonquelle, Verstärker, Lautsprecher, Kabel – und mich nach dem Motto, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile sein sollte, auf die Suche nach Synergien machen. Dazu werde ich auch Tipps und Vorschläge von Händlern einholen, die sich im Segment „bezahlbarer“ Anlagen womöglich besser auskennen als ich.

Während ich für einzelne Testgeräte in meinem Rack-of-Silence von Solidtech extra eine Ebene frei halte, müssen die demnächst hier jeweils für ein paar Wochen in meinem Hörraum einziehenden Komplett-Ketten parallel zu meiner eigenen Anlage aufgebaut werden. Nur wie? Theoretisch hätte ich einfach ein günstiges Hifi-Regal kaufen können. Anständige gibt es schon für unter 200 Euro. Aber ich glaube, dass gerade für Musikanlagen, die in einem bestimmten Budget-Rahmen bleiben sollen, etwas Selbstgebautes die am weitesten verbreitete und deshalb auch als Testumgebung gut geeignete Lösung darstellt.

Welche Voraussetzungen musste das Hifi-Regal erfüllen? Es sollte

- drei Ebenen haben
- hohe Stabilität bieten
- preiswert zu bauen sein
- ergonomisch sein und gut aussehen
- kein spezielles Werkzeug beim Bau erfordern

Vielen kommt jetzt bestimmt das weit verbreitete TNT-Flexy in den Sinn. Es taucht seit rund 15 Jahren in unzähligen Varianten im Internet auf. Aus rein ästhetischen, vielleicht auch arg traditionsverhafteten Gründen bin ich aber kein großer Fan der für die 1990er-Jahre typischen Kombination von Holz und Metall. Und ich mag schlichte, auf das Wesentliche konzentrierte Formen. Den klassischen Ulmer Hocker finde ich darum ebenso genial wie den in seiner Schlichtheit und Funktionalität womöglich noch weiter gehenden Berliner Hocker. Mein Selbstbau-Rack lehnt sich bei solchen Vorbildern an. Dabei bestimmt die Funktion wie so oft auch die Form und die Proportionen ergeben sich aus den üblichen Gerätemaßen plus Reserve.

Ich habe Buche-Leimholz verwendet, zugeschnitten im Baumarkt meines Vertrauens. Für das in der ambitionierteren Hobby-Tischlerei etwas verpönte Material sprachen das Preis-Leistungsverhältnis und die Verfügbarkeit. Außerdem ist die Buche der am weitesten verbreitete mitteleuropäische Laubbaum und insofern ein auch ökologisch gut vertretbares Nutzholz.

Hier meine Materialliste:

3 Platten aus 27 mm starkem Buche-Leimholz in der Größe von 450 mm x 550 mm (beim Zuschnitt darauf achten, dass die Fasern parallel zur längeren Seite verlaufen!)

3 Riegel aus 27 mm starkem Buche-Leimholz in der Größe von 50 mm x 650 mm

3 Platten aus 18 mm starkem MDF in der Größe von 400 mm x 500 mm (werden später nur lose aufgelegt)

ein geriffelter Buche-Rundstab in 8mm Stärke

ca. 0,5 l Hartholz-Öl, etwas Leim

An Werkzeug benötigt man mindestens:

- eine Bohrmaschine
- einen 8mm-Bohrer (für Holz)
- einen Hammer
- eine Feinsäge mit Gehrungslade o.ä.
- ein Maßband
- einen Bleistift
- Schleifpapier, 80er-Körnung
- einen flachen Pinsel

Nicht unbedingt nötig, aber praktisch sind zudem:

- ein Schwingschleifer
- ein paar Schraubzwingen mit einer Spannweite von mindestens 600 mm
- ein Winkel

Meine Skizze ist vermutlich selbsterklärend. Es gibt nur zwei kritische Punkte. Erstens muss man die Löcher für die sichtbare Dübelverbindung wirklich senkrecht, sauber und tief ins Material bohren (am besten einen scharfen, neuen Bohrer verwenden, das verhindert Ausrisse). Zweitens sollte man die erforderlichen Abschnitte des geriffelten Rundstabs, die als Dübel verwendet werden, möglichst sauber absägen. Ansonsten braucht man wahrlich keine Schreiner-Lehre, um dieses Hifi-Regal manierlich hin zu kriegen. Am Schluss schleift man dann noch die Oberflächen und „bricht“ die Kanten. Etwas Hartholz-Öl lässt die etwas langweilige Struktur von Buche-Leimholz schöner hervortreten und gibt dem Ganzen einen warmen Honig-Farbton.

Wozu nun die drei übrig gebliebenen MDF-Platten? Wer mit dem Fingerknöchel auf die Ebenen dieses Racks klopft, wird feststellen, wie glockenhell die Buche-Platten schwingen und klingen. Sowas macht uns Audiophile natürlich misstrauisch. Stichwort: unerwünschte Resonanzen. Eine preiswerte und effiziente Methode, das zu unterbinden, besteht darin, einfach MDF-Platten zwischen die Buche-Ebenen und die Geräte zu legen. Ich bin noch nicht dazu gekommen, meine MDF-Platten zu lackieren, aber die plan aufeinander liegenden Flächen erfüllen auch so schon mal ihre dämpfende Funktion. Das Klopfen klingt matter und kürzer. Hier tut sich natürlich ein weites Feld für Experimente mit hochwertigeren Materialien auf – bis hin zu irgendwelchen Boards und Basen aus professioneller Hand.

Unzufrieden bin ich mit der Entscheidung für drei Beine. Das würde ich heute anders machen. Ich hatte mich für die Dreipunkt-Lagerung entschieden, weil sie nie kippelt. Doch inzwischen meine ich, vier ganz an die Ecken gesetzte Stollen nähmen eine größere Grundfläche ein und gäben meinem Hifi-Regal wohl doch eine größere Stabilität. Gut, dass bei meinem Rack die unterste Ebene einen so geringen Abstand zum Boden hat. So kann ich es ohne Probleme auch auf vier Transrotor-Pucks stellen. Gerade bei meinem Laminatboden ist das eine auch klanglich gute Variante.


— 22. April 2013