Platte11

Von Heinz Gelking

Ein Wandrack für ein Masselaufwerk

Die Anfrage kam von einem Leser. Er hatte sich ein Masselaufwerk gekauft und war enttäuscht: Obwohl er den Plattenspieler an der Wand montiert hatte, sprang die Nadel, wenn schwere Fahrzeuge am Haus vorbei fuhren. Der Leser suchte einen Rat.

Seine Probleme kommen mir bekannt vor. Auch ich wohne in einem Altbau an einer viel befahrenen Straße. Weil der Holzboden schwingt, kam für mein Masselaufwerk, einen Transrotor Orfeo Doppio, nur eine Wandmontage infrage. Ich hatte dem Leser ein paar Fotos und eine Erläuterung zugesagt, nachdem ich mir aber schon einmal die Arbeit gemacht habe, kann ich’s auch gleich hier reinstellen.

Die Grundkonstruktion meines Wandracks lässt sich auf diesem Foto ganz gut erkennen:

Die Konstruktion besteht aus massiven Vierkanthölzern. Ihr Nachbau dürfte für versierte Hobby-Schreiner kein Problem darstellen; für ausgebildete Tischler erst recht nicht. Die beiden Riegel an der Wand lassen Platz für viele Schrauben, die über Dübel mit der (tragenden) Außenwand eine belastbare Verbindung eingehen.

Entscheidend ist natürlich die Tragfähigkeit. Ich kenne das Gewicht meines Transrotor Orfeo Doppio einschließlich der verwendeten Basen nicht genau, aber ich kenne mein eigenes, nicht geringes Gewicht. Solange die Konstruktion mich trägt, und das tut sie, ist alles “im grünen Bereich”. Ich habe mich drauf gesetzt – sie hält.

Wahllos federnde Elemente aufeinander zu stapeln, davon halte ich wenig, weil sich die Ergebnisse kaum kontrollieren lassen. Trotzdem wollte ich die eigentliche Platte, auf der ich den weiteren Aufbau arrangiere, nicht direkt “Holz auf Holz” aufstellen. Darum habe ich fünf von diesen Transrotor Jumbo Pucks genutzt. In der weichen Gummimischung wird Schwingungsenergie in Wärme umgesetzt. Die Transrotor Jumbo Pucks sind verhältnismäßig preiswert und bis 40kg belastbar.

Weil ich sehr häufig Laufwerke ganz unterschiedlicher Größe aufbaue, nutze ich eine große Bucheplatte als Basis. Da bleibt viel Platz für Werkzeug, externe Motoren, zusätzliche Phonostufen und so weiter. Im Laufe der Jahre habe ich oft erlebt, dass sich simple flach aufeinander gelegte Platten gegenseitig bedämpfen und gut als Grundplatte für Plattenspieler eignen. Weil die von mir genutzte Bucheplatte jedoch nicht ganz plan ist, stelle ich den Kontakt zur nächsten Schicht, einer furnierten Spanplatte, über viele, viele Punkte eines knetgummiartigen Materials her, das Blu-Tack ähnelt, aber viel billiger ist.

Klingt im Anklopftest schon vertrauenserweckend dumpf und trocken!

Klar, ein guter Plattenspielertisch muss genau waagerecht ausgerichtet sein!

Entscheidend ist der nun folgende Schritt: Die eigentliche Stellfläche für das Laufwerk besteht aus einer Siebdruckplatte und einer Acrylglasplatte, die stumpf aufeinander liegen. Dieses Sandwich wird von der Wandhalterung und der Basisplatte über viele SSC-Pucks entkoppelt. Die SSC-Pucks funktionieren offenbar sehr effizient. Mit ihnen habe ich einen erheblichen Zugewinn an Kontrolle im Bass erreicht.

Noch ein paar Anmerkungen:

- Dies ist kein “Test”. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man mit anderen Gerätefüßen als den SSC-Pucks zu ähnlich guten Ergebnissen kommen kann und ich bin fast sicher, dass sich eine Beschäftigung mit Plattformen und Tischen zur schwingungsisolierten Aufstellung von Messgeräten oder Mikroskopen lohnen würde, teils sind die Hersteller ja auch schon auf dem Hifi-Markt aktiv (Fabreeka, Vibraplane etc.). Die SSC-Pucks haben allerdings den Vorteil der Bezahlbarkeit. In dem Zusammenhang sind natürlich auch Tipps für vergleichbare Produkte willkommen!

- Natürlich drängt sich der Gedanke auf, dass man mit einem Subchassis-Laufwerk von Anfang an viel weniger Probleme hätte. Ich kann diesen Gedanken auch nicht entkräften – erst recht nicht nach Erlebnissen mit dem Basis Audio 2200 Signature oder dem Roksan TMS 3. Auf der anderen Seite habe ich mich an die “stoische” Spielweise meines Masselaufwerks gewöhnt. Ich schätze an ihm den besonderen Eindruck, eine Platte, einen Tonabnehmer, einen Tonarm zu hören – aber eben keinen Plattenspieler. Der Transrotor Orfeo Doppio nimmt sich selbst (wie viele andere Masselaufwerke) im Klang ziemlich zurück.

- Ob man so viele verschiedenen Schichten und die doppelte Entkopplung durch die Transrotor Jumbo Pucks und die SSC-Pucks wirklich braucht? Ich bin über Monate und Jahre zu der etwas monströs aussehenden Schichtung gekommen, bestreite aber nicht, dass man vielleicht auch mit weniger Aufwand eine ähnliche Klangqualität erzielen könnte. Ich stelle mir dabei vor, dass man die SSC-Pucks ja auch unmittelbar auf dem Rahmen des Wandracks platzieren könnte und darauf wiederum die Schicht aus einer Siebdruckplatte und einer Acrylglasplatte legen müsste. Es bleibt jedenfalls ganz viel Raum für Experimente!

- Die Fotos sind keine Bauanleitung, allenfalls ein Vorschlag, sich selbst Gedanken zu machen. Vor allem lege ich aber Wert auf die Feststellung, dass dieser Bericht auf Erfahrungswerten und Höreindrücken beruht, nicht etwa auf Messungen. Mein Wandrack ist im Laufe der Jahre so geworden, wie es heute ist. Ich habe ständig verbessert, verworfen, beibehalten, neu arrangiert… Dabei spielen die individuellen Bedingungen in meinem Raum gewiss eine große Rolle, aber auch meine subjektive Wahrnehmung im Hinblick auf die Frage, was “besser” oder gar “richtiger” klingt – und was nicht. Ich erhebe da keinen Absolutheitsanspruch (im Gegenteil: Widerspruch willkommen, am besten unterlegt mit eigenen Erfahrungen!).

- So ein Laufwerkstisch ist nie fertig. Dauernd probiere ich etwas aus. Allerdings haben sich ein paar “Tendenzen” herauskristallisiert. Ich mag beispielsweise den Klang von Geräten auf Siebdruckplatten lieber als auf MDF. Und ich habe exzellente Erfahrungen mit einer sandgefüllten Box in einer früheren Wohnung gemacht. Meine Sandkiste war größer und massiver als die ziemlich bekannte TNT SandBlaster-Version. Sie bestand aus einer alten Waschtischplatte aus Granit, die in einem Bett aus Quarzsand ruhte. Auf der Granitplatte lag dann wiederum eine Acrylplatte. Auch das hatte exzellent funktioniert.

— 16. März 2010