Platte11

Von Heinz Gelking

Experimente mit der Ölbedämpfung von Tonarmen

Von allen Hifi-Geräten und dem ganzen Zubehör finde ich Tonarme am spannendsten. Man hat so viele Möglichkeiten zum Selberschrauben, wobei die Möglichkeiten zur Justage ja immer zugleich auch Verpflichtungen sind: VTA, Azimuth, Anti-Skating, Auflagekraft. Um alles darf und muss der Plattenspielerbesitzer sich kümmern. Und dann gibt es noch eine ganze Reihe von Tonarmen, die sich mit Öl bedämpfen lassen.

Allerdings nicht alle – und das ist keine Frage ihres Preises oder des konstruktiven Aufwands. Die weit verbreiteten Rega-Arme ab RB250 aufwärts (einschließlich darauf beruhender Entwicklungen wie dem Transrotor 9.1), die Pro-Ject-Arme, der Clearaudio Unify sowie der Clearaudio Satisfy halten ebenso wenig eine Möglichkeit der Dämpfung mit Öl vor, wie der Linn Ekos und der Anna-Arm von Nottingham Analogue, der Brinkmann 10.5 und der Tonarm SI 1.2 von Rossner & Sohn sowie der WTB 213 von Acoustic Solid, um nur solche Arme zu nennen, mit denen ich in den letzten Jahren eigene Erfahrungen sammeln konnte. Ziel einer Öldämpfung ist das Verhindern von Resonanzen. Die Entwickler der genannten Arme ohne Dämpfung verlassen sich darauf, Resonanzen von vorherein verhindern zu können oder sie auf andere Weise umzuformen. Eine Zwischenposition nimmt SME ein. Die Briten haben für Arme der Modellreihe 309 und IV eine aufpreispflichtige und jederzeit nachrüstbare Dämpfungseinrichtung namens FD IV im Angebot, mit der das Topmodell, der SME V von vornherein ausgestattet ist.

Was sind Resonanzen und wie kommen sie in einem Tonarm vor?

Resonanz bezeichnet das erzwungene Mitschwingen eines schwingungsfähigen Systems, wenn es periodisch angeregt wird. Resonanzen stellen eine unerwünschte kinetische Energie dar. Diese Energie lässt sich nicht einfach aus der Welt schaffen. Man muss sie umformen, also in unschädliche Frequenzbereiche drücken oder in Wärme umwandeln. Die Umwandlung von Schwingungsenergie in eine andere Energieform bezeichnet man als Dämpfung.


Geeignete Maßnahmen sind sich verändernde Tonarmdurchmesser (wie bei SME-Armen vom Typ 309 und höher sowie beim Kuzma Stogi Reference), Beschichtungen des Tonarmrohrs (zum Beispiel der Kunststoffüberzug beim Audioquest PT-9) sowie Dämpfungswannen mit dort hineinhängenden Öl-Paddeln in verschiedenen Bauweisen. Die kinetische Energie enthält darin eine andere Frequenz, sie wird aber auch in Wärme umgeformt.

Dieser Text war vor rund zwei Jahren schon mal recht weit gediehen und auf platte11.de im ersten Design erschienen. Er wird in den nächsten Monaten in lockerem Abstand hier wieder eingefügt, ergänzt und zum Abschluss gebracht. Ich danke Walter Fuchs für viele Hinweise und manche Erläuterung.

— 16. Januar 2008