Platte11

Von Heinz Gelking

Felix Mendelssohn-Bartholdy, 3. Sinfonie, „Die Schottische“, The Philharmonia Orchestra, Otto Klemperer, EMI SAX 2342

Keine Empfehlung hingegen für Otto Klemperers nur im Kriechgang vorwärts kommende Interpretation der „Schottischen“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, bei der die Sinfonie nicht vom Fleck kommt und in Einzelteile zerfällt. Dabei war gerade eine satzübergreifende Architektur Mendelssohns Ziel, wie die nahtlose Aneinanderreihung aller Sätze vermuten lässt. Und so überragend klingt die Produktion aus dem Jahr 1960 auch wieder nicht, dass ich EMI SAX 2342 wenigstens aus “audiophilen“ Erwägungen zum „Muss“ erklären möchte.

(Dieser Artikel gehört zu den hier angekündigten Texten über sammelnswerte (und nachgepresste) LPs von EMI. Leider sind aktuell allerdings offenbar nicht mehr alle Reissues im Handel. Der Text beruht auf dem Stand von 3/2000, als er erstmals erschien. Weil EMI-LPs für Plattensammler allerdings immer ein Thema sind, auch unabhängig von der Existenz dieser Reissues, habe ich den Text hier trotzdem noch einmal veröffentlicht)


— 18. Juni 2009

Kommentare

Ehrlich gesagt kann ich die immer gleiche Leier über Klemperers “zu langsame Tempi” in immerhin sprachlich bemüht verschiedenen Versionen (“kommt nicht vom Fleck”) nicht mehr hören. Ähnliches wurde zur Einspielung der Italienischen gesagt. Nun hab ich zwei Klemperer-Interpretationen von der 4.Symphonie, eine sehr schnelle, eine langsame. Beide haben ihre Stärken und Schwächen. (der vierte Satz z.B., “saltarello”, ist einmal 4’38, einmal 6’08 Minuten lang).
Aber eine langsame Aufnahme muß keineswegs in Einzelteile verfallen. Grade die “Schottische” ist mit dem PO London eine wunderbare Einheit. Auch die live-Einspielung, als Klemperer schon weit über die 80 war, mit dem SO des Bayerischen Rundfunks 1969, ist herausragend, nach meinem Geschmack (und natürlich ist bei allen Aussagen über Musik unser Geschmack immer mit dabei.) In dieser live-Fassung kann man sich allerdings über den Schluß streiten. Grade weil Klemperer die Mendelssohnsche Fassung nicht ganz als Einheit empfand, hat er ein paar Takte selbst geändert. Etwas, was er sonst kaum je tat (im Gegensatz zu Mahler, den Klemperer zeitlebens verehrte)
Zufällig ist heute der 125.Geburtstag Klemperers.
Zum Beiheft und Text kann ich wenig sagen, da ich Klemperers Studio-Einspielung der 3. und 4. in einer EMI-Japan-Fassung gekauft hatte (EMI Angel), übrigens weit vor 2000, es muß vor 1994 gewesen sein. Schade, daß ich japanisch nicht verstehe, und daher mit dem Beiheft wenig anfangen kann^^.
Ich finds schön, daß Sie die Fassung dennoch online stellen – so können interessierte Hörer sich ein eigenes Bild machen, wenn sie auf die meines Erachtens herrlich lebendige, wiewohl auf Struktur setzende Aufnahme stoßen. In letzter Zeit gefällt es mir gut, viele Klemperer-Interpretationen mit denen anders dirigierender Musiker zu vergleichen. Ich hab das grade mit Schuberts Fünfter gemacht – und mir scheint, nach Klemperer hör ich dann andere Aufnahmen manchmal genauer (oder es fehlt mir was, das kommt auch oft vor.)

Georg · 14.05.2010 · #
Textile-Hilfe