Platte11

Von Heinz Gelking

Gabrieli Consort & Players, Paul McCreesh: Magnificat, Oster-Oratorium von Johann Sebastian Bach (DG Archiv 469531-2)

Diese Aufnahme entstand in der Kirche von Brand-Erbisdorf, weil Paul McCreesh die von Johann Gottfried Oehme erbaute Orgel nutzen wollte. Das hat sich gelohnt, denn beispielsweise in der Tenor-Arie “Sanfte soll mein Todeskummer…” bereitet sie Paul Agnew mit ihrem charaktervollen, historischen Klang einen wunderbar tragfähigen Boden.

Mit Ausnahme des Bassisten Neal Davies singt das kleine Sänger-Ensemble auf dieser CD zwar nicht wirklich akzentfrei, ansonsten aber auf höchstem Niveau, ohne dabei die entscheidende Frage befriedigend beantworten zu können, die an Paul McCreeshs Interpretation zu stellen wäre: Warum hat der Dirigent sich entschlossen, auch die Chorsätze nur von den Solisten bestreiten zu lassen, wodurch es hier an dem gewohnten Kontrast zwischen dem Chor und dem Solisten-Ensemble fehlt? Der Hinweis auf die hier geforderte solistische Beweglichkeit und die Dichte der Chorsätze erklärt das für Nicht-Spezialisten wie mich ebenso halbherzig wie das Argument, man habe sich hierbei auf die Forschungen Andrew Parrots zu Bachs Vokalmusik berufen.

Messen wir die Aufführung am klingenden Ergebnis: Die polyphone Stimmführung lässt sich nämlich tatsächlich hervorragend verfolgen und das Instrumentalensemble spielt mit lautmalerischer Sinnlichkeit. Gute, sehr “luftige” Klangqualität.

(Text erschien erstmals in image hifi 1/2002, hier jetzt minimal überarbeitet.)

— 20. Juli 2009