Platte11

Von Heinz Gelking

Im kleinen Vergleich: WDR RadioRecorder, Radiofx, dradio-Recorder und phonostar-Player

Es gibt gute Gründe, fürs Radiohören übers Internet. Die Klangqualität gehört allerdings nicht dazu. Die meisten Sender streamen ihr Programm mit 128 kbit/s. Diese Datenrate liegt klar unterhalb der CD-Qualität. Darum klingen gut zu empfangende Sender über einen anständigen, “altmodischen” UKW-Tuner besser.

Doch kein UKW-Tuner bekommt die Tango-Sendung aus Montevideo, den Reggae-Sender aus Kingston oder das Konzert von Richard Galliano auf France Musique rein. Das beste Argument fürs Internetradio ist seine schier grenzenlose Programmvielfalt, und es zieht natürlich umso stärker, je ausgefallener der persönliche Musikgeschmack oder je spezieller die eigenen Informationsbedürfnisse sind.


Screenshot (Ausschnitt): www.dradio.de

Nicht alle Sender bieten ihr Programm in so vielen Formaten wie der Deutschlandfunk und das Deutschlandradio Kultur an, aber ich kenne auch keinen mehr, den man überhaupt nicht online empfangen kann. Mich persönlich interessieren vor allem Konzertübertragungen – auch wenn nur noch selten wirklich „live“ gesendet wird. Sieht man genau hin, handelt es sich nämlich meistens um Konzert-“Dokumente”, die schon ein paar Tage oder Wochen alt sind. Vielleicht liegt das an der Perfektion, die das Publikum von den Künstlern und die Künstler von sich selbst erwarten. Unmittelbar und direkt aus einem Konzertsaal heraus zu senden, das birgt eben nicht nur die Chance, mehr Atmosphäre und Spannung als bei einer CD-Studioproduktion zu erleben, sondern auch das Risiko, vor einem breiten Publikum mal einen schlechten Tag zu haben.


Screenshot (Ausschnitt): www.wdr3.de

Immer wieder kommt bei mir der Wunsch auf, solche Konzertübertragungen für mich selbst dauerhaft aufbewahren oder auch dann hören zu können, wenn ich zum Sendezeitpunkt überhaupt nicht zuhause bin. Dafür gibt es natürlich längst eine Lösung: Ich habe in den vergangenen Wochen drei, vier verschiedene Programme ausprobiert und möchte hier eine kleine Übersicht erstellen. Übrigens: Jedes dieser Programme ist kostenlos und deutschsprachig.

Leider nur für WDR-Sendungen: Der WDR RadioRecorder.

Screenshot (Ausschnitt): WDR RadioRecorder

Das von der Software-Firma Tobit entwickelte Programm im modischen (aber nicht unbedingt schönen) Aluminium-Look lässt sich sehr leicht bedienen, sobald man verstanden hat, dass nach einem Klick auf den Button Weiteres Programmangebot in der unteren Hälfte alle kommenden WDR-Sendungen angezeigt werden. Hier kann man dann einzelne Sendungen für eine Aufzeichnung markieren – fertig! Denn Rest macht der Computer. Leider kann der WDR RadioRecorder aber ausschließlich Sendungen vom WDR aufnehmen, also die Sender 1LIVE, WDR 2, WDR 3, WDR 4, WDR 5 und Funkhaus Europa. Andere Sender kennt das Programm nicht. Damit wird er der Radiovielfalt im Internet überhaupt nicht gerecht. Der WDR RadioRecorder ist für meine Zwecke unbrauchbar.

Download-Seite für den WDR RadioRecorder

FAQ für den WDR RadioRecorder

Kurzanleitung für den WDR RadioRecorder

Radiofx von Tobit.Software: Mit dem Schleppnetz durch das Internet.

Anfangs hatte ich den Sinn und Zweck von Radiofx überhaupt nicht verstanden. Das Programm kann in der kostenlosen Basic! Edition nämlich bis zu vier Online-Sender parallel aufzeichnen und spaltet die riesige Datenmenge dann selbständig in korrekt betitelte Stücke auf. Damit ist Radiofx vermutlich für solche Radiohörer ideal, die sich quasi “nebenbei” und ganz legal eine Menge aktueller Musik aus dem Internet fischen wollen. Sie brauchen Radiofx nur auf ihre Lieblingssender anzusetzen und regelmäßig die Titel der automatisch aufgezeichneten MP3-Files nach “behalten” und “löschen” zu sortieren.

Mir missfällt die Idee, gleichsam ein Schleppnetz durchs Radioangebot zu ziehen. Ich suche mir lieber gezielt Konzerte, Hörspiele oder Radio-Features aus und möchte diese – aber eben auch nur diese – dann gerne speichern. Für das bewusste Auswählen und Aufzeichnen einzelner Konzerte, Hörspiele und Features sind andere Programme besser geeignet.

Radiofx auf der Seite von Tobit.Software

Auffassung der Deutschen Phonoverbände zu intelligenter Aufnahmesoftware

dradio-Recorder und phonostar-Player: starke Werkzeuge zum gezielten Aufnehmen


Screenshot meines Desktops, Ausschnitt

Der phonostar-Player und der dradio-Recorder sind offensichtlich baugleich. Mit beiden Programmen kam ich intuitiv zurecht – besser als mit Radiofx und genauso gut wie mit dem WDR RadioRecorder. Prinzipiell bedauere ich aber das Fehlen einer Hilfe-Funktion. Beim phonostar-Player bekommt man nach dem Klick auf das “?” aber immerhin eine Support-Adresse angegeben und die Bedienungsanleitung des dradio-Recorders auf der Deutschlandradio-Seite kann man nur vorbildlich nennen.

Mit beiden Programmen kann man Internetradio-Streams hören und aufnehmen. Über diese reine Funktion als Player/Recorder hinaus überzeugt mich vor allem die einfache Suchmöglichkeit nach Sendern in Form von besonders übersichtlichen, nach Genres sortierter Listen. Die Listen sind allerdings nicht umfangreich; fehlende Sender lassen sich jedoch manuell hinzufügen. Sehr praktisch finde ich die in diesem Tableau integrierten Links zu den Internetseiten der Sender. Da kann man schnell mal ins Programm sehen oder Informationen zu einer laufenden Sendung einholen.


Kostenlos und werbefrei: der dradio-Recorder vom Deutschlandradio

Wie unterscheiden sich nun phonostar-Player und dradio-Recorder? Die Software vom Deutschlandradio verfügt unter dem Stichwort Sendungen über eine Programmvorschau, die sich natürlich ausschließlich auf Sendungen des Deutschlandfunks und von Deutschlandradio Kultur bezieht, darüber hinaus ist dieses Programm aber vollkommen werbefrei.


In der kostenlosen Basis-Version mit eingeblendeter Werbung: der phonostar-Player

Wie schon gesagt: In den beiden Grundfunktionen – Hören und Aufnehmen – unterscheiden sich die beiden Programme nicht. Aber der phonostar-Player hat eine Programmvorschau, die sich nicht ausschließlich am Deutschlandradio orientiert – vor allem “Events” aus den Bereichen Rock, Pop und Indie stehen im Vordergrund, aber auch Kindersendungen werden angekündigt. Klassikhörer und Informationshungrige gehen allerdings leer aus. Diese Programmvorschau wird ergänzt durch einen Newsletter, den man per Mail beziehen kann. Inhaltlich gilt auch da: Klassik, Nachrichten oder Diskussionen stehen nicht im Vordergrund. Aber ohne diesen Newsletter hätte ich mit Sicherheit manches interessante Konzert verpasst.

Download-Möglichkeit für den dradio-Recorder

Download-Möglichkeit für den phonostar-Player

Update: Bitte beachten Sie diese ergänzende Anmerkung.

—  7. Dezember 2009