Platte11

Von Heinz Gelking

Juliette Gréco und ihre großen Chansons (Philips-LP, antiquarisch)

80 Jahre ist sie inzwischen alt, und noch in diesem Monat war sie in Deutschland auf Tournee: Juliette Gréco. Ihre Chansons sind so unbestritten ein wichtiger Bestandteil der europäischen Kultur, dass man sich eigentlich gar nicht mehr “kritisch” mit ihnen befassen kann. Wobei man als Schubladendenker nie so richtig weiß, ob man die Gréco und ihre Chansons nun zur Populärkultur oder zur Hochkultur schlagen soll. Jedenfalls sind die Melodien eingängig, die Begleitung schlicht und die Texte stimmungsvoll, und man wundert sich immer wieder, dass selbst Jean-Paul Sartre und Albert Camus an ihnen genauso einen Narren gefressen haben sollen, wie wir so viel kleineren Geister ein paar Generationen später.
Diese Richtigstellung aber muss sein: Es sind ja gar nicht “ihre” Chansons. Sie hat sie nur zu ihren Chansons gemacht, Stücke wie Sous le ciel de Paris oder Parlez-moi d’amour.
Fünf verschiedene Orchester begleiten sie hier – und wurden von der Tontechnik in klassischem Ping-Pong-Stereo an den linken und rechten Rand gedrängt, um der Gréco in der akustischen Mitte ganz viel Raum zu lassen. Sie wusste ihn zu füllen.


Die LP hat übrigens echte “audiophile” Qualitäten. Die Stimme kommt mit einem ungeheuren Facettenreichtum über die Lautsprecher.

Ob die hier abgebildete LP (Philips 844720 BY) inhaltlich identisch mit dem bei Speakers Corner herausgekommen Reissue von Juliette Gréco et ses grandes chansons (Philips 526164-1, herausgegeben 1967) ist, vermag ich nicht zu sagen; ich vermute es aber.

— 30. November 2007