Platte11

Von Heinz Gelking

Klazz Brothers feat. David Gazarov: Chopin Lounge (Sony CD)

Short summary in English:

It is nice, maybe a little too nice, the new album by the Klazz Brothers. The CD will be in the lobbies of international hotels in permanent rotation. Not my cup of tea.

Ist es gestattet? Natürlich ist es. Jazz darf alles. Auch auf das unerschöpfliche Themen-Reservoir der Klassik zugreifen. Eine seit mindestens fünfzig Jahren gepflegte Tradition, der im Moment wohl niemand erfolgreicher folgt als die Klazz Brothers: zwei Echo-Preise, eine Grammy-Nominierung, berühmt aus Funk und Fernsehen.
In neuer Formation (zu Kilian Forster am Bass und Tim Hahn am Schlagzeug kommt der technisch exzellente David Gazarov am Klavier) haben sich die Klazz Brothers nun bei Frédéric Chopin bedient. Sie springen auf den mit Volldampf fahrenden Medienzug zum 200. Geburtstag des polnischen Klaviermusik-Komponisten auf und können sich aller Aufmerksamkeit sicher sein. Denn tatsächlich klingt ihr Chopin “anders”. Die Musik hat eine glitzernd-groovende Oberfläche aus Hi-Hat-Geklingel und Kontrabass-Pizzicati. Da wird dem Minuten-Walzer ein Latin-Kleidchen angezogen und der Grande Valse Brillante (Es-dur Op.18) bekommt Mambo-Anklänge, während es sich bei Sunny Teardrop um „eine langsame Bossa-Ballade aus Elementen Frédéric Chopins musikalischer Sprache“ handelt (David Gazarov). Manches Arrangement – etwa die gestrichene Kontrabass-Melodie über der Fantaisie Impromptu Nr. 4 cis-moll op.66 – ist wirklich hübsch und originell. Vielleicht ein wenig zu hübsch. Die CD macht im Handumdrehen aus dem heimischen Wohnzimmer eine x-beliebige Hotel-Lobby. Insofern hält die Produktion, was ihr Titel verspricht: Chopin für die Lounge. Mich lässt das vollkommen kalt.

— 21. März 2010