Platte11

Von Heinz Gelking

Lucia Popp mit Irwin Gage: Lieder von Schubert, Schönberg, Strauss (Orfeo-CD, live)

Short summary in English: A valuable document of a truly great concert singer – in quite poor sound quality.

Sie sang zentrale Sopran-Partien wie die Königin der Nacht, die Elsa oder die Marschallin. Und Leonard Bernstein setzte sie gerne bei Orchesterliedern von Gustav Mahler ein. Deren ironischen Volkston traf die intelligente Slowakin besonders gut. Doch mit dem womöglich größten Ernst widmete sich Lucia Popp dem Klavierlied. Auf einer von Orfeo veröffentlichten Live-Aufnahme von den Münchner Opernfestspielen 1984 kann man das nun erleben. Zusammen mit Irwin Gage am Klavier singt sie Lieder von Schubert, Schönberg und Strauss. Lucia Popp war in bester Form: Die Stimme noch höhensicher und technisch auf Top-Niveau, aber – mit Mitte Vierzig – im Klang schon eingedunkelt. Gute Voraussetzungen für melancholische Lieder wie „Fülle der Liebe“ (Schubert/ Schlegel) oder den surrealistisch-dramatischen Ton von „Erwartung“ (Schönberg/ Dehmel). Vor allem im letzten Teil des Konzerts, demjenigen mit den Strauss-Liedern, wird man aber auch daran erinnert, dass Lucia Popp eine Begabung als Schauspielerin besaß: Manches Lied gerät ihr regelrecht zu kleinen Szene, in der sie eine Figur mit ein paar musikalischen Gesten zu einem Charakter zu formen weiß.

Musikalisch überzeugt diese Konzertaufnahme also ganz und gar.

Aber etwas verleidet die Freude. Bei einem Live-Dokument kann man sicher mal Abstriche bei der Klangqualität hinnehmen. Aber hier gelang es dem (anonymen) Aufnahmeteam nur rudimentär, den Reichtum der eigentlich warmen und sowohl hinsichtlich der Farben wie der Dynamik enorm wandlungsfähigen Stimme von Ludia Popp angemessen einzufangen.

—  5. Oktober 2010