Platte11

Von Heinz Gelking

Mischa Maisky und Sergio Tiempo: Musik für Cello und Klavier von Mendelssohn-Bartholdy

Sonate Nr. 1 für Cello und Klavier in B-dur op. 45, Sonate Nr. 2 für Cello und Klavier in D-dur op 58, Variations concertantes für Cello und Klavier op. 17, div. Transkriptionen und Lieder ohne Worte

Es geht ja schon lange kein Streicher mehr, wie ehedem noch Nathan Milstein, mit zweitrangigen Pianisten ins Studio. Mischa Maisky hat bei den beiden Cello-Sonaten, den Variations concertantes sowie weiteren (hier teils in Bearbeitung erklingenden) Miniaturen von Felix Mendelssohn-Bartholdy einen jungen Pianisten aus Caracas an der Seite, den ich zuvor nicht kannte: Sergio Tiempo. Ein Name zum Vormerken.

Denn hier erlebt man ein Gleichgewicht, das legendären Duos, zum Beispiel Gregor Piatigorsky/ Arthur Rubinstein oder Mstislaw Rostropowitsch/ Rudolf Serkin nicht nachsteht. Wie Tiempo die choralartigen Arpeggio-Passagen des dritten Satzes der D-dur-Sonate gestaltet, wie er Maiskys Montagnana-Cello immer wieder mit einem Klavierklang so dunkel und wohltönend wie durchsichtig antwortet – das hat enormes Format! Keine Cello-CD also, keine Star-CD von und mit Mischa Maisky, sondern hoch-romantische Kammermusik vom Allerfeinsten.

Bei den kleineren Sachen vom Typ “Lied ohne Worte” legt sich der aus Riga stammende Cellist für meinen Geschmack beinahe zu sehr ins Zeug – einfacher und schlichter wäre da oft schöner. Aber es ist sicher kein Fehler, dass die beiden Hauptwerke auf dieser CD den stärksten Eindruck hinterlassen.

(Text erschien erstmals in image hifi 6/2002, hier jetzt minimal überarbeitet)

— 12. Juni 2009