Platte11

Von Heinz Gelking

Payuta & Friends: Departure

Eines kann man Harry Payuta bestimmt nicht vorwerfen, nämlich dass er irgendwann in seinem Leben musikalisch stehen geblieben wäre. Der Bassist und Gitarrist hat in Rock- und Bluesbands gespielt, beim Jazz Station gemacht und war an Avantgarde-Projekten beteiligt. Schließlich öffnete er seine Musik für Einflüsse aus der ganzen Welt. Die Spanne seiner Kooperationen reicht vom Mojo Club in Hamburg über Bandmitglieder von Embryo und Amon Düül bis zu Musikern aus Mali und Marokko oder den Obertonsängern von Huun-Tuur-Tu. Vor allem aber wurde Harry Payuta dafür bekannt, dass er Gitarre und Bass immer öfter durch die Sitar ersetzte.

Payuta & Friends: Departure (Jaro 4287-2)

Der Multiinstrumentalist setzt das komplizierte, aus Indien stammende Saiteninstrument nicht „indisch“ ein, sondern verwendet es wie eine exotische Gitarre und überträgt eine “westliche” Spielweise darauf. Die – trotz Ravi Shankars Zusammenarbeit mit den Beatles – in der Pop-Musik noch immer relativ unverbrauchte Klangfarbe reichert die Musik an und verleiht ihr einen halbherzigen Ethno-Einschlag.
Departure, Patuyas inzwischen achtes Album, klingt eher vertraut als aufregend. In ihren besten Momenten gerät die Musik schön ins Schweben. Matthias Monka hat dazu einfache – oft muss man wohl auch sagen: einfach banale – Lyrics geschrieben: What can I do – I’m feeling so blue – When I’m not with you – I’m feeling blue…

Gut, dass Monka schöner singt als er textet. Seine soulige Stimme ist für Departure mindestens so wichtig wie Payutas Sitar.

Departure verändert die Stimmung in einem Raum wie eine farbige Tapete – Musik zum Chillen auf dem Sofa. Oder zur Dekoration von Stadtfesten als moderne Alternative zum Dixieland, den der SPD-Ortsverein so gerne dabei hat… Kurzum: Departure ist mehrheitsfähig und bietet Wohlfühl-Garantie. Nicht mehr und nicht weniger. Was vielleicht doch ein bißchen wenig ist.


Das gilt auch für die Klangtechnik. Die vom Künstler im eigenen Studio selbst produzierte CD klingt mir zu platt. Dass ein Instrument mit so vielen Spiel-, Bordun- und Resonanzsaiten wie die Sitar fast ohne Nebengeräusche tönt, kann ich mir nämlich nicht vorstellen. Da wurden wohl ein paar Ecken und Kanten auf “Radiotauglichkeit” hin weggebügelt.

—  7. November 2007