Platte11

Von Heinz Gelking

Quadro Nuevo: Tango bitter sweet (Doppel-LP/CD)

Musik: Die vier Musiker vom Quadro Nuevo spielen Tango auf akustischen Instrumenten. Die Grundbesetzung ihres Quartetts besteht aus einem Akkordeon, einem Saxophon, einem Kontrabass und einer Gitarre. Diese Konstellation wird immer wieder variiert; alleine Mulo Francel bläst auf drei verschiedenen Saxophonen und drei verschiedenen Klarinetten, außerdem kommen noch Vibraphon und Mandoline hinzu. Dabei braucht die Musik diesen Aufwand eigentlich nicht. Sie ist vielfältig genug. Das Quadro Nuevo hat nämlich Melodien aus allen Himmelsrichtungen in ein auf Maß geschneidertes Tango-Kleid gesteckt – darunter so populäre Vorlagen wie Khatchaturians Säbeltanz oder den Schlager Gloomy Sunday, der durch die Interpretation von Heather Nova für den Film Ein Lied von Leben und Tod noch einmal bekannt geworden ist. Von Astor Piazzolla und seiner bissigen und herzzerreißenden Musik, in der das Bandoneon so kunstvoll schreit und ächzt, ist das ebenso weit entfernt wie vom „Kriminaltango“ aus der Schlagermottenkiste. Tango bitter sweet – das sind schlicht und einfach vier fabelhafte LP-Seiten mit gekonnt geklöppelter Unterhaltungsmusik. Als der Tango vom Rio de la Plata nach Europa kam, fand er zuerst bei den Salonorchestern eine Bleibe. Man hört’s. Aber ist diese Musik, wie die Platte heißt: bitter und sweet? – Eher ist sie wohltemperiert wie der hoffentlich passende Rotwein zur LP. Und hundertprozentig mehrheitsfähig wird sie sein – die CD erreichte immerhin Platz 47 der deutschen Pop-Charts, was für einen Tonträger mit akustischen Instrumenten ein kleines Wunder ist.

Tango bitter sweet — nicht aufregend, aber sehr schön!


Fertigung und Klang: Feines Gatefold-Cover, leider ungefütterte Innenhüllen, LPs laufen (beinahe) frei von Nebengeräuschen und sind fast perfekt plan. Insgesamt ist die Fertigungsqualität gut. Das gilt auch für die Klangqualität: nicht wirklich “audiophil”, aber zufriedenstellend.

— 30. Mai 2007