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Von Heinz Gelking

Radka Toneff (Gesang), Steve Dobrogosz (Klavier): Fairytales

Die Aufnahmen entstanden im Bergen Digital Studio und wurden auf LP und CD veröffentlicht.

Hier passiert nicht Spektakuläres. Wer von einer Jazz-Platte mit Stimme und Klavier impulsiven Funkenflug erwartet, wird Fairytales vielleicht sogar etwas langweilig finden – mit seltsam schlechtem Gewissen, denn Fairytales ist Radka Toneffs letzte Studio-Aufnahme. Es ist nicht einfach, beim Hören aus dem Kopf zu kriegen, dass sie noch in diesem Jahr 1982 sterben wird, mit gerade dreißig Jahren.

Nur eine Stimme, nur ein Klavier – das klingt von der Konstellation her ja schon nach einem eher ruhigen Album. Dieses ist mehr, nämlich fast schon intim. Und mit großer Fantasie stattet Steve Dobrogosz diese Intimität mit Klang aus. In Keith Jarrett-Manier nutzt er mit Hingabe das Haltepedal seines Flügels und bereitet mit den lang und ganz frei nachschwingenden Klaviersaiten der Sängerin einen Boden. Er unterfüttert die ruhigen Songs dabei mit emotionsgeladenen Akkorden und lässt immer wieder wunderschöne Perlenreihen durch den Klavierdiskant kullern. Radka Toneffs vibratoarmer Ton strahlt auf zurückhaltende Weise so viel Wärme aus – dem verfällt man gern. Sie singt einfach, schlicht und schön. Das Programm? – Standards aus Pop und Musical, aber auch neue Songs, melancholisch in der Stimmung und von einem so sensibel abgestimmten Duo wie diesen beiden immer wieder gern gehört. Doch schon ein paar Monate nach der Aufnahme ohne jede Chance auf Fortsetzung.


Die Toningenieure vom Bergen Digital Studio haben sich von der Intimität anstecken lassen und Stimme und Klavier in überragender Klangqualität eingefangen. Die LP-Version klingt eine Spur weicher, die CD-Version eine Spur offener, beide aber exzellent.

— 18. April 2007