Platte11

Von Heinz Gelking

Sächsisches Vocalensemble, Matthias Jung: Motetten von Guillaume Bouzignac

Wer war Guillaume Bouzignac? Geboren wurde er um 1587 im Languedoc, vermutlich ausgebildet an der Chorschule der Kathedrale von Narbonne, danach war er als Sänger und Komponist im gesamten Süden Frankreichs unterwegs, gestorben ist er nach 1643. Seine Werke sind ausschließlich handschriftlich überliefert und wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Manuskriptfunde wiederentdeckt. Bouzignacs Einzigartigkeit liegt darin, dass er der kunstvollen Mehrstimmigkeit der Chormusik in der späten Renaissance einen großen dramatischen Ausdruck erschlossen hat.
Dafür trennt er den Chor in Gruppen auf, die miteinander kommunizierten – nicht „kommunizieren“ im Sinne der Verflechtung und Verwebung von mehreren Stimmen wie es für polyphone Chormusik nun mal typisch ist, sondern ganz konkret, indem die Gruppen die wörtliche Rede biblischer Figuren vortragen. Auf diese Weise beschwört Bouzignac dramatische Szenen mit lebendigen Dialogen herauf. Aber er konnte auch anders: In Anbetracht der schlichten Schönheit eines Chorsatzes wie Beati mortui scheint die Welt für einen Moment still zu stehen, Tota pulchra est klingt schwerelos und überirdisch schön. Wer also war Guillaume Bouzignac? Das Sächsische Vocalensemble unter der Leitung von Matthias Jung lässt uns sicher sein: ein Genie, mindestens so bedeutend wie Carlo Gesualdo (1566-1613).
Ich habe nur den Stereo-Ton der Mehrkanal-SACD gehört. Aber gerade bei dieser Musik liegt der Gedanke nahe, dass die Mehrkanal-Aufnahme Bouzignacs eigenen Klangvorstellungen womöglich näher kommt…

Das Sächsische Vocalensemble singt unter der Leitung von Matthias Jung Motetten von Guillaume Bouzignac, Tacet 156 SACD


— 29. September 2007