Platte11

Von Heinz Gelking

Sergei Rachmaninow, 2. Sinfonie, London Symphony Orchestra, André Previn, EMI ASD 2889

Diese Aufnahme entstand 1973 im Anschluss an eine Tournee, die das London Symphony Orchestra zusammen mit André Previn durch die Sowjetunion unternommen hatte. Dort hatten die Interpreten mit der Zweiten Sinfonie von Rachmaninow große Erfolge gefeiert. Man hört die Aufnahme und glaubt das sofort. Mit vollem Recht wurde die Einspielung viel später auch in der CD-Reihe „Great Recordings of the Century“ von EMI weiderveröffentlicht.

André Previn war 1929 in Berlin geboren worden und später mit den Eltern nach Amerika emigriert. In den 1950er Jahren war er als Hauskomponist beim Filmriesen MGM sehr erfolgreich. Doch dann verlegte er den Schwerpunkt seiner Arbeit auf das Dirigieren und wurde 1967 Nachfolger von István Kertész als Chefdirigent beim London Symphony Orchestra. Mit diesem Orchester hatte er 1970 für Decca den russischen Pianisten Vladimir Ashkenazy in bis heute „gültigen“ Aufnahmen der Klavierkonzerte von Rachmaninow begleitet.

EMI ASD 2889 klingt ausgezeichnet. Dabei weist die Arbeit von Christopher Bishop (Produzent) und Robert Gooch (Toningenieur) einige typische Eigenheiten, aber auch Vorzüge von EMI-Produktionen auf. Auch diese Einspielung hat nämlich einen leicht sämigen, nicht sehr durchsichtigen Streicher-Teppich als Grundlage. Die übrigen Insturmentenregister werden dort hinein integriert: ein Glöckchenklingeln hier, ein Klarinettensolo dort – solche Details werden wunderbar in den von Streichern dominierten Gesamtklang eingebunden. Allenfalls ihre Position im Stereo-Panorama könnte manchmal noch schlüssiger vermittelt werden. Erstaunlich auch das profunde Bassfundament der Aufnahme; die Kontrabässe klingen konturiert und kernig. Von eingeschränkter Dynamik, wie sie EMI-LPs manchmal wohl mit Recht nachgesagt wird, kann hier keine Rede sein.

LP-Sammler, die keine Angst vor Rachmaninows epischer Breite haben und sich für üppige Spätromantik begeistern können, sollten nach EMI ASD 2889 Ausschau halten. Es lohnt sich!

(Dieser Artikel gehört zu den hier angekündigten Texten über sammelnswerte und nachgepresste LPs von EMI. Leider sind aktuell allerdings offenbar nicht mehr alle Reissues im Handel. Der Text beruht auf dem Stand von 3/2000, als er erstmals erschien. Weil EMI-LPs für Plattensammler allerdings immer ein Thema sind, auch unabhängig von der Existenz dieser Reissues, habe ich den Text hier trotzdem noch einmal veröffentlicht)


— 22. Juni 2009