Platte11

Von Heinz Gelking

Klazz Brothers & Edson Cordeiro: "Klazz meets the Voice" (CD)

Klazz Brothers & Edson Cordeiro: "Klazz meets the Voice" (Sony/BMG)

Kilian Forster (Bass), Tobias Forster (Klavier) und Tim Hahn (Drums) sind klassisch ausgebildete Musiker, die als Klazz Brothers Musik machen, die weder so richtig in die Klassik-, noch in die Jazz-Schublade passt. In PR-Texten ist dann fast automatisch von einer „Verschmelzung“ der Genres die Rede, gerne ergänzt um schmückende Adjektive wie „erfrischend“ oder „innovativ“. Für diese Verschmelzung haben die aus Dresden stammenden Musiker 2003 und 2006 einen Echo in der Spalte „Klassik ohne Grenzen“ erhalten (was ich persönlich vom Echo halte, habe ich hier und hier sowie hier schon einmal kundgetan).

Nun haben die Klazz Brothers gemeinsam mit dem brasilianischen „Stimmwunder“ Edson Cordeiro eine CD aufgenommen. Cordeiro ist ein Vokalvirtuose wie Al Jarreau oder Bobby McFerrin. Sein Stimmumfang erstreckt sich vom normalen Tenor bis in hohe Counter-Regionen. Cordeiro kann viel und hat Charme, das kann man nicht anders sagen.


Trotzdem überzeugt Klazz meets the voice nicht. So wie Klassik und Jazz hier zusammenpanscht wurden, entstand nämlich kein aufregender Cocktail, sondern klebriges Zuckerwasser. Das Ave Maria von Charles Gounod ist ja im Original schon unerträglich seicht, aber wenn es dann auch noch von einem Mann im Falsett gesungen wird, dann passt das als musikalische Performance sicher eher auf die Stunksitzung als auf ein Jazz-Festival. Und wenn die Rachearie der Königin der Nacht aus Mozarts “Zauberflöte” – ein Showpiece für hohe Koloratur-Soprane – im Girl from Ipanema (A.C. Jobim) auftaucht, dann mögen von Klassik unbeleckte Hörer das witzig finden, erfahrene assozieren dabei unwillkürlich Florence Foster Jenkins. Cordeiro singt besser, gar keine Frage. Aber Florence Foster Jenkins war wenigstens das, was Cordeiro und die Klazz Brothers sein wollen: erfrischend und innovativ.

— 26. April 2007