Platte11

7. Juli 2010

War trotzdem schön...

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22. Januar 2010

Christian v. Ditfurth: Mann ohne Makel

Habe diesen mit unglaublich guten Rezensionen (“Deutschlands Antwort auf Henning Mankell”) bedachten Kriminalroman gelesen und bin ein wenig enttäuscht. Und das liegt nicht an der Hauptfigur des Dr. Josef Maria Stachelmann, einem Historiker und Anti-Helden. Auch finde ich die Idee, die Krimihandlung gewissermaßen vor dem Hintergrund zweier parallel verlaufender, sich aber gelegentlich treffender Ermittlungsstränge – hier Stachelmann und die ihn unterstützende Anne, dort die Polizisten “Ossi” und Carmen – zu entwickeln, ziemlich reizvoll. Was mich aber gestört hat, das war die Tatsache, dass etliche Figuren seltsam undefiniert bleiben und nicht richtig zur Entfaltung kommen. Das betrifft nicht zuletzt die Täter.

Außerdem entwickelt Christian v. Ditfurth zu Beginn des Kriminalromans mindestens zwei Nebenhandlungen, die am Ende nur mit Mühe in die (sonst durchaus überzeugende) Lösung gezwängt werden. Ich denke dabei an die Figur der Alicia Weitbrecht, welche Stachelmann ein wenig auf die Pelle rückt, aber auch an den Tod der Polizistin Ulrike Kreimeier.

Kein schlechter Krimi, wirklich nicht. Aber diese überschwänglichen Kritiken … Meine Einschätzung: Kein Vergleich zu Rankin, Vargas oder Disher (habe gerade “Beweiskette” gelesen: exzellent!), um mal ein paar Autoren zu nennen, deren Krimis ich richtig gut finde.

Immerhin animiert mich “Mann ohne Makel” dazu, vielleicht doch noch einen zweiten aus der Stachelmann-Reihe auszuprobieren.

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5. Januar 2010

In der Metro

Früher Abend, die Metro ist voll. Alle Menschen meiden den Blickkontakt. Niemand sagt etwas. Nur der 2,5 Jahre alte Sohn guckt sich interessiert um. Es ist seine erste Fahrt mit der Metro.

An einer Station steigt ein Paar zu und ergattert gegenüber zwei Sitzplätze. Der Mann ist ein gepflegter älterer Herr. Die Frau hat ihre Haare pechschwarz gefärbt und großzügig kirschroten Lippenstift sowie einen etwas theatralischen, lilafarbenen Lidschatten aufgetragen. An ihren Ohren hängen auffallend große Ohrringe.

Der Kleine sieht sich die beiden an und sagt dann laut und deutlich: “Guck mal, da sitzt ein Mann mit einem Clown!”

Es gibt Momente, da möchte man über die paranormale Fähigkeit verfügen, sich einfach in Luft auflösen zu können …

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1. Januar 2010

Alles Gute zum Neuen Jahr!

Paris, Dezember 2009

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26. Oktober 2009

Kjell Westö: Wo wir einst gingen (Roman)

Vor ein paar Monaten habe ich in hifi & records über das Violinkonzert von Jean Sibelius geschrieben. Ich hatte damals ein wenig Biografisches gelesen. In den meisten Darstellungen stehen Sibelius’ Trunk- und Verschwendungssucht sowie die Unabhängigkeitsbestrebungen seiner finnischen Heimat gegenüber dem russischen Zaren im Vordergrund.

Wie konfliktreich und vielschichtig das Leben in Finnland zur Zeit der Jahrhundertwende und danach tatsächlich war, erfährt man dabei aber kaum. So wusste ich zum Beispiel gar nicht, dass 1918 in Finnland ein drei Monate dauernder Bürgerkrieg stattgefunden hatte, an dem übrigens auch deutsche Kampfverbände beteiligt waren. Kjell Westö, der wie Jean Sibelius zur schwedischsprachigen Minderheit in Finnland zählt, hat über diese Zeit einen Roman mit einem großen Tableau an Figuren aus allen Schichten der finnischen Gesellschaft geschrieben. Diesen Roman lese ich gerade; er ist spannend, anrührend und informativ.

Westö, Kjell; Wo wir einst gingen; München 2006

Der Perlentaucher hat ein paar Rezensionen.

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14. Oktober 2009

Duncan (eine Figur aus "Juliet, Naked" von Nick Hornby) über Musik in Form von Dateien:

Kurze Zeit später schickten ihm Leute von Messageboards erstmals Songs, die sie an E-Mails angehängt hatten, und das war nicht minder geheimnisvoll, denn es bedeutete, dass aufgezeichnete Musik nicht, wie er es vorher gedacht hatte, etwas Gegenständliches war – eine CD, ein Stück Vinyl, eine Spule Magnetband. Man konnte sie auf ihren Wesenskern reduzieren, und dieser Kern war etwas nicht Greifbares. Das machte die Musik noch besser, schöner, geheimnisvoller, fand er jedenfalls.

Finde ich nicht.

(aus: “Juliet, Naked” von Nick Hornby, Köln 2009)

Bin noch nicht sehr weit in dem Buch und lese noch mit großem Vergnügen.

Hier ein paar Links:

Nick Hornby im Interview bei der Welt

Rezension im WDR

Rezension im HR

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7. Oktober 2009

Zepp Oberpichler: Gitarrenblut (Rock ’n’ Roll-Roman mit Musik CD)

Text in den Magazinteil verschoben, genauer nach hierher.

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30. September 2009

Der Herbst ist da.

Keine Frage, der Herbst ist da. Jetzt endgültig. Am Wochenende bin ich einem Großvater begegnet, der seinen Enkeln erklärte, was Bucheckern sind. Und der Waldboden lag voller Eicheln.

Bucheckern hatte ich seit fünfundzwanzig oder dreißig Jahren nicht mehr gegessen. Sie schmecken wie Pistazien ohne den für Pistazien typischen Geschmack, also mehr nach Nüssen.

Für die Nur-Blog-Leser: Auf der Artikel-Seite gibt es einen kleinen neuen Text.

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17. September 2009

Zepp Oberpichler: Gitarrenblut

Die Rezension findet man inzwischen hier.

So hatte er sich das nicht vorgestellt. Wenn schon eine Bude, dann doch wohl mit eigenem Musikzimmer!

Mit riesigem Plattenregal.
Mit Haltern an der Wand für die Gitarren.
Mit einem großen Tisch für die Achtspurmaschine.
Mit einem gemütlichen Sessel zum Musikgenießen.
Mit richtig fetten Boxen.
Mit einer völlig hochwertigen Anlage.
Mit absoluter Sicherheit und auf jeden Fall allein!

Und nun bestand die Aussicht auf ein Zimmer mit Bärchentapete …

(aus: “Gitarrenblut” von Zepp Oberpichler, einem Rock-‘n’-roll-Roman mit einer kleinen Musik-CD, Bottrop 2009, www801ruhrgebiet.de)

Demnächst eine kleine Kritik dazu. Muss aber erst je ein Buch von Andrea Camilleri und Jean-Claude Izzo zuende lesen.

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16. September 2009

Das Regietheater und die Historische Aufführungspraxis

Nein, keineswegs will ich etwas zur Regietheater-Debatte sagen, die Daniel Kehlmann mit seiner Rede anlässlich der Eröffnung der Salzburger Festspiele angestoßen hatte. Kehlmanns Ansprache ist nicht zuletzt (um nicht zu sagen: sie ist zuvorderst) eine Hommage an seinen Vater, den Theater- und Fernsehregisseur Michael Kehlmann, dessen Stern rapide sank, als das so genannte Regietheater sich durchsetzte. Die Diskussion um das Regietheater flammt immer mal wieder auf, und ein wenig hält sie den Betrieb wohl auch am Laufen. Gäbe es nicht immer wieder Leute, die sich geradezu reflexartig über meines Erachtens manchmal arg kalkulierte Provokationen aufregen, dann wäre das Regietheater vielleicht schon lange kein Thema mehr. Aber ich will hier gar nicht vorgeben, vom Theater etwas zu verstehen. Ich war das letzte Mal im Theater, da war Leander Haußmann in Bochum noch Intendant. Ist viele Jahre her. Es ist lange her, dass ich im Theater war. Bestimmt drei Jahre.

Es geht mir um eine Beobachtung oder Behauptung von Daniel Kehlmann. Er sagte während der Eröffnungsrede: „Bei uns ist etwas Absonderliches geschehen. Irgendwie ist es in den vergangenen Jahrzehnten dahin gekommen, dass die Frage, ob man Schiller in historischen Kostümen oder besser mit den inzwischen schon altbewährten Zutaten der so genannten Aktualisierung aufführen solle, zur am stärksten mit Ideologie befrachteten Frage überhaupt geworden ist.“

Mich interessiert daran folgender Aspekt: Die Grundidee von Schiller in historischen Kostümen und Mozart auf historischen Instrumenten ist gleich. In beiden Fällen geht es darum, dem Publikum eine „historisch informierte“ Aufführung zu bieten. Alle Beteiligten wissen dabei, dass man sich weder in das Jahr 1782 zur Mannheimer Uraufführung der Räuber noch ins Jahr 1787 ins Nationaltheater von Prag zur ersten Don Giovanni-Premiere „beamen“ lassen kann. Aber im Vordergrund steht die Frage, wem der Vorrang eingeräumt wird: Schiller oder Peymann, Mozart oder Karajan. Wer sich für Schiller und Mozart entscheidet, nimmt nach meinem Verständnis eine konservative, im Sinne von „bewahrende“ Position ein. Ich verbinde mit dieser Feststellung ausdrücklich keine Wertung.

Auf die Frage der Wertung kommen wir nämlich jetzt – und sie wird widersprüchlich beantwortet. Man stelle sich bitte einmal ein Gespräch in einem Klassiksender vor. Das könnte ungefähr so ablaufen:

Intendant: Was haben wir denn noch auf dem Sendeplan?

Redakteur: Mozart. Don Giovanni.

Intendant: Hm. Welche Aufnahme?

Redakteur: Herbert von Karajan, 1985

Intendant: Wie, den ollen Schinken? Mit dem Breitwandsound der Berliner Philharmoniker? Das kann man doch heute nicht mehr machen. Haben wir keine moderne Einspielung?

Redakteur: Wie, modern?

Intendant: Ja, modern halt. Also historisch. Harnoncourt oder Gardiner oder Herreweghe oder so. Mit Originalinstrumenten. Sie wissen schon …

Und jetzt versetzen wir uns in das Intendantenbüro eines deutschen Stadttheaters. Ein dort geführtes Gespräch könnte so stattfinden:

Intendant: Was steht noch auf dem Spielplan?

Dramaturg: Schiller. Die Räuber.

Intendant: Hm. Was brauchen wir?

Dramaturg: Historische Kostüme, historische Möbel, Wachskerzen, eine Urtext-Ausgabe, …

Intendant: Halt, nicht die ollen Kamellen. Das kann man doch heute nicht mehr machen. Wir müssen das modern inszenieren!

Dramaturg: Wie, modern?

Intendant: Ja, modern halt. Also unhistorisch. Am besten, die Räuber tragen Frauenkleider, dann merkt man gleich, wie innovativ der Regie-Ansatz ist. Und dann vielleicht noch einen DJ auf die Bühne. Das bringt Stimmung. Damit kommen wir in „Aspekte“.

Dramaturg: Und welche Textausgabe der Räuber?

Intendant: Google mal. Gibt bestimmt was im Internet. Umsonst. Das kürzen wir dann und ergänzen es um Vernehmungsprotokolle aus der Balsam-Affäre. Da machen wir eine schöne Collage. Mit Schiller allein holen wir ja heute niemanden mehr hinter dem Kachelofen hervor …

Ich sehe da einen Widerspruch. Den kann ich nicht auflösen. Auch ich empfinde „historisch informierte“ Musikaufführungen nämlich als „moderner“ und Theater in historischen Kostümen als altbacken. Doch warum gilt die Annäherung an die Enstehungszeit einmal – in der Musik – als adäquates Mittel, und einmal – im Theater – ganz und gar nicht? War Karajan mit seinem Breitwand-Sound vielleicht der Zadek des Klassik-Betriebs, weil er Mozart „aktualisierte“? Hat eine plüschige Räuber-Inszenierung mit historischen Kostümen etwa Norrington-Niveau?

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15. September 2009

Hörspieltermine beim Deutschlandradio Kultur

Hörspieltermine bis zum 28.10.2009 – Deutschlandradio Kultur

Werbung:
KLICK-Germany – das große Kaufhaus der kleinen Hersteller, Manufakturen und Kunsthandwerker.

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10. September 2009

Reparieren

Vater (sichtlich stolz): “Er kann schon schwierige Wörter sagen. Heute hat er “Reparieren” gesagt.”

Vater (zum Sohn): “Sag mal “Reparieren”!”

Sohn: “Rerarie …”

Vater: “Nein, Re-pa-rie-ren!”

Sohn: “Rarerie …”

Vater: “Re-Pa-Rie-Ren!!!”

Sohn: “Rirare …”

Vater (leicht genervt): “Komm, Du hattest es vorhin gesagt. Du kannst es! Ree-Paa-Riiieee-Rääään!”

Sohn: “Is kaputt!”

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20. Juli 2009

Rebus und das große Ganze

Es hatte Ewigkeiten gedauert, bis er sich seinen ersten CD-Player anschaffte, und noch heute war ihm Vinyl lieber. Siobhan meinte, das liege daran, dass er “störrisch” sei.

“Entweder das, oder mir fehlt einfach der Herdentrieb”, hatte er gekontert. Neuerdings besaß sie einen MP3-Player und lud sich die Musik aus dem Internet runter. Er machte sich einen Spaß daraus, sie zu fragen, ob er das Albumcover oder das Booklet mit den Texten sehen könne.

“Ihnen entgeht das große Ganze”, hatte er ihr erklärt. “Ein gutes Album sollte mehr sein als die Summe seiner Teile.”

“Wie Polizeiarbeit?”, hatte sie lächelnd gefragt, ...

(aus dem Kriminalroman “Ein Rest von Schuld” von Ian Rankin, München 2008)

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20. Juli 2009

Was Kühe fressen.

Sohn: Guck, da, Kühe!

Vater: Ja. Ganz viele. Und so groß. Wie machen die Kühe denn?

Sohn: Muh! Muuhh! Muuuhhh!

Vater: Genau. Und was fressen die?

Sohn: Blumen.

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15. Juli 2009

Keine Empfehlung: Cuisine Philipp in Saarbrücken

Das Menü

Für 30,- Euro gab es im Menü II bei der Cuisine Philipp zuerst einen Gruß aus der Küche in Form von Thunfischpaste mit Blätterteig und dann ein kleines Stück Crêpe, in das Rucola und Käse eingerollt waren. Danach wurde eine Artischocke serviert. Darauf folgten zwei Hauptgänge – zuerst Spaghetti mit Pilzen, dann Rind mit Kartoffeln und Erbsenschoten. Als Dessert wurde ein Melonensalat gereicht. Das Preis-/Leistungsverhältnis war ausgezeichnet.

Das Überraschungsprinzip

Man muss dazu wissen, dass die Menüs bei der Cuisine Philipp nicht im Detail festgelegt sind. Der Gast wählt zwischen drei Preiskategorien (30 Euro liegt in der Mitte), kann gegenüber der Restaurant-Chefin seine Wünsche und Abneigungen äußern und bekommt schließlich eine Art „Überraschungsmenü“. Auch ich wollte mich überraschen lassen und hatte lediglich darum gebeten, eventuell aufgetragene Fleischgerichte richtig durchzugaren.

Lob

* das Restaurant ist ansprechend eingerichtet


* das aus frischen Zutaten bereitete Essen schmeckte gut


* die Weine waren gut und bezahlbar

Kritik

* leider war das Fleisch doch nicht durchgegart, sondern „rosa“


* der Flaschenkühler (Tonkrug) war am Rand stark ausgebrochen und die Dessertteller für den Artischocken-Gang waren angeschlagen – im Detail wird der hier erhobene Anspruch dann doch nicht ganz erfüllt

Insgesamt wären wir trotzdem zufrieden gewesen; gut zufrieden sogar. Aber wir erlebten auch das Folgende:

Die Servicekraft hatte vergessen, nach dem Aperitif die weiteren Getränkebestellungen aufzunehmen – nicht schlimm. Allerdings verzögerte sich dadurch unsere Weinauswahl. Wir hielten die Karten noch nicht lange in Händen, als die Inhaberin an den Tisch trat und uns mitteilte, sie hätte das Essen heiß und wir müssten bei der Wein-Auswahl jetzt ein wenig “Gas geben”. So kann man Schüler antreiben, aber nicht seine Restaurant-Gäste.

Schließlich das Gehampel mit der Rechnung. Normalerweise bestimmt man als Gast ja den Zeitpunkt für den Aufbruch durch eine Bitte um die Rechnung. In der Cuisine Philipp war es Samstag andersrum. “Soll ich schon mal die Rechnung bringen?”, fragte der Kellner. Ein etwas seltsames Auftreten gegenüber Gästen, die noch vor vollen Gläsern sitzen, aber auch eines, dass ich der unerfahrenen (?) Aushilfskraft jederzeit nachsehen würde.

Als wir einige Minuten später tatsächlich die Rechnung wollten, fragte die Inhaberin, die sich mittlerweile Wein trinkend im Privatgespräch von einem Nachbartisch aus meldete, ob wir bar oder “mit Karte” zahlen würden. So etwas entscheide ich meistens, wenn ich die Rechnungssumme gesehen und mit meiner Barschaft verglichen habe. Reicht das Bargeld, zahle ich bar, reicht es nicht, zahle ich per Karte. Kein außergewöhnliches Verhalten, oder? Bei der Cuisine Philipp macht das aber offenbar Schwierigkeiten. Die Inhaberin erklärte, dass die Servicekraft zuerst wissen müsse, ob bar oder per Karte gezahlt werde, weil sich danach bestimme, wo die Rechnung ausgedruckt werde. Okay, das finde ich zwar umständlich, könnte ich aber noch ohne Murren akzeptieren. Doch dann schob sie den folgenden Satz hinterher und meinte im Gouvernantenton: “Bar oder Karte, das werden Sie ja wohl noch in zwei Minuten entscheiden können!”

Ich bin nicht kleinlich, empfindlich oder schnell beleidigt. Mit der im Ruhrgebiet gepflegten, manchmal etwas unverblümten Kommunikation komme ich gut klar. Aber was ich bei der Cuisine Philipp erlebte, lässt sich mit einem lockeren Umgangston nicht mehr erklären. Das war die pure Arroganz eines Dienstleisters gegenüber seinen Kunden. Das Niveau der Küche in der Cuisine Philipp ist okay, aber der Umgang mit den Gästen unprofessionell – zumindest an jenem Samstagabend.

Aber mit meiner Einschätzung bin ich offenbar nicht alleine.

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