20. Juli 2010
Wie ernst soll man den Echo Klassik nehmen?
Gar nicht. Ein Blick auf die Zusammensetzung der Jury sagt alles. Von den elf über die Preisvergabe entscheidenden Personen
- kommen fünf direkt von der Tonträger-Industrie
- gehören zwei zum ZDF, das als Mitveranstalter der Preisübergabe-Show (“Echo der Stars”) natürlich daran interessiert ist, auf jeden Fall ein paar telegene Stars (der Name der Sendung sagt’s ja…) unter den Preisträgern zu haben
- betreibt eine eine PR-Agentur für Klassik-Künstler.
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Mitglieder ohne solche Interessenkonflikte? Ich erkenne nur drei: Prof. Martin Maria Krüger vom Deutschen Musikrat, Prof. Michael Kaufmann vom Kurt Weill-Zentrum Dessau und Carsten Dürer von den Zeitschriften “Ensemble” bzw. “Piano News”.
Eigentlich ist dieser “Preis” ein schlechter Witz.
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20. Juli 2010
Echo Klassik: Preisträger 2010
Die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des
Bundesverbandes Musikindustrie, gibt heute die Preisträger des diesjährigen ECHO Klassik bekannt. Der wichtigste Klassik-Musikpreis wird in diesem Jahr an 61 Preisträger aus 21 Kategorien verliehen. Die begehrte Trophäe erhalten unter anderem Alice Sara Ott, Nils Mönkemeyer, Arabella Steinbacher, Martin Schmeding und Hardy Rittner. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2010 in der Philharmonie Essen statt. Das ZDF überträgt die Gala am selben Abend ab 22:00 Uhr unter dem Titel „Echo der Stars“.
Dies sind die Sieger des ECHO Klassik 2010: Joyce DiDonato wird für ihr Album „Colbran, The Muse“ zur „Sängerin des Jahres“ gekürt. Jonas Kaufmann erhält den Titel „Sänger des Jahres“ für seine Einspielung „Sehnsucht“. Die Auszeichnung „Instrumentalist des Jahres“ geht an den Cembalisten Siegbert Rampe für das Album „Klavierwerke“ (Wilhelm Friedemann Bach), den Pianisten Lang Lang für „Klaviertrios“ (Tschaikowsky/Rachmaninoff), den Oboisten Albrecht Mayer für seine Einspielung „Bach-Werke für Oboe, Orchester und Chor“, Martin Schmeding („J. S. Bach: Goldberg-Variationen (Fassung für Orgel)“) sowie an die Violinistin Tabea Zimmermann für „Suiten für Viola“ (J. S. Bach/M. Reger). Paavo Järvi wird mit Ludwig van Beethovens „Sinfonien 2 & 6 ‚Pastorale‘“ zum „Dirigenten des Jahres“ ernannt. Den ECHO Klassik als „Bestseller des Jahres“ erhält David Garrett für sein Album „Classic Romance“.
Mit dem „Klassik-Ohne-Grenzen“-ECHO würdigt die Deutsche Phono-Akademie in diesem Jahr das Fauré Quartett für seine Einspielung „Popsongs“, Christina Pluhar und L´Arpeggiata für „Via Crucis“ sowie Milan Turković und die Selmer Saxharmonic für „Flying Saxophone Circus“. Über den ECHO Klassik als „Nachwuchskünstler des Jahres“ dürfen sich Christiane Karg („Verwandlung – Lieder eines Jahres“), Alice Sara Ott („F. Chopin: Sämtliche Walzer“), Olga Scheps („F. Chopin: Klavierwerke“,), Meta4 („J. Haydn: Streichquartette op.55, 1-3“) und Yannik Nézet-Séguin im Bereich Dirigat freuen. Einen Preis in der Kategorie „Ensemble/Orchester des Jahres“ erhalten das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Lautten Compagney sowie der Norddeutsche Figuralchor.
Ebenso herausragende Künstler werden in der Kategorie „Konzerteinspielung des Jahres“ geehrt. Darunter Christian Zacharias, Nils Mönkemeyer, Peter Hörr, Arabella Steinbacher, Gautier Capuçon, Janine Jansen und Evgeny Kissin. Die Trophäe für die „Operneinspielung des Jahres“ erhalten unter anderem das Münchener Rundfunkorchester und Ulf Schirmer („K. A. Hartmann: Des Simplicius Simplissimus Jugend“), Cecilia Bartoli („Sacrificium“) sowie Bryn Terfel („Bad Boys“).
Die „Liedeinspielung des Jahres“ stammt von Angelika
Kirchschlager („R. Schumann: Lieder“). Einen ECHO Klassik für die „Solistische Einspielung des Jahres“ erhält unter anderem Hardy Rittner für seine Einspielung „Sämtliche Klavierwerke“ (Arnold Schönberg). Leif Ove Andsnes darf sich mit seiner „Pictures Reframed (Buch-Edition)“ (Mussorgsky) über den Preis „Editorische Leistung des Jahres” freuen. Das Czech Philharmonic Orchestra wird mit dem ECHO Klassik in der Kategorie „Welt-Ersteinspielung des Jahres“ geehrt, aufgenommen unter der Leitung des jüngst verstorbenen australischen Dirigenten Sir Charles Mackerras.
(Quelle: Pressemittteilung der Deutschen Phono-Akademie)
Täusche ich mich, oder wurden die Preise in diesem Jahr tatsächlich nachvollziehbarer als in vergangenen Jahren verteilt?
Weitere Informationen zu dem gibt es hier.
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16. Juli 2010
Gibt es noch Plattenläden?
Ja! So stand es jedenfalls im Freitag. Der Artikel ist schon älter; habe ihn aber jetzt erst gesehen.
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16. Juli 2010
Ergänzung, Interview, Witze
Zwischenzeitlich hatte ich ein wenig aus den Augen verloren, dass ich Rezensionen mit einem “Short summary in English” einleiten wollte. Das habe ich hier jetzt nachgeholt. Übrigens: Verbesserungsvorschläge für mein Schul-Englisch sind jederzeit willkommen…
Dann möchte ich die Blog-Leser, die ja nicht zwingend mit den Magazin-Lesern identisch sind, auf ein Interview hinweisen, das ich mit Werner Matzke über die Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach geführt habe.
Just for fun: Die besten Männerwitze hatten sich bei der Süddeutschen ausgerechnet im Kulturteil versteckt…
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25. Juni 2010
Vuvuzela goes Classic
Charming Quark zeigt ein nettes Video aus dem Berliner Konzerthaus. Drei Konzerthaus-Musiker spielen Brahms und Ravel auf – ja, genau …
Kommentare [2]
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23. Juni 2010
Lesetipp: Wien - Geschichte einer Stadt
Wissen wir mehr über die Musik, wenn wir die Lebensumstände des Komponisten kennen? Vielleicht. Freilich besteht auch die Gefahr, aus einem gewissen Halbwissen heraus die falschen Schlussfolgerungen zu ziehen. Da spielt oft etwas hinein, was man den Mitleidsfaktor nennen könnte: Mozart und Schubert, um zwei sehr prominente Beispiele zu nennen, gelten gemeinhin als erstens überaus arm und zweitens allzu jung gestorben.
“Die These vom verarmten Genius Mozart stammt aus der Romantik. Jeder Biograph versuchte Mozart noch ärmer zu machen”, stellt der Wikipedia-Artikel über Wolfgang Amadeus Mozart (eingesehen am 21.06.2010) dem entgegen und präsentiert Einkommensberechnungen, die nur eine Schlussfolgerung zulassen: Mozart lebte – trotz einer glänzenden Einkommenssituation – auf allzu großem Fuß.
Und im Falle von Franz Schubert wäre die aus heutiger Sicht furchtbar kurze Dauer seines Lebens (1797-1828) durch den nüchternen Blick auf ein paar demographische Fakten schnell relativiert: Um 1820 schwankte die durchschnittliche Lebenserwartung männlicher Neugeborener in Wien zwischen 18 und 20 Jahren. Dabei geht die hohe Säuglingssterblichkeit schwerwiegend in die Statistik ein. Hatte der männliche Säugling nämlich einmal das erste Lebensjahr überstanden, dann konnte er auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von 32 Jahren hoffen – Schubert starb für die damaligen Verhältnisse also nicht außergewöhnlich jung.
Woher ich das weiß? Im Zusammenhang mit ein paar vorbereitenden Recherchen für einen Artikel über die Klaviertrios von Franz Schubert (erscheint in den nächsten Tagen in hifi & records) stieß ich auf ein interessantes Buch, das man – allerdings mit gewissen Einschränkungen – auch online einsehen kann:
Csendes, Peter/ Opll, Ferdinand: Wien. Geschichte einer Stadt. Von 1780 bis zur Gegenwart; Wien 2006
Insbesondere die Kapitel über Massenarmut und Kinderarbeit in der damals viertgrößten Stadt Europas relativieren die verbreiteten Einschätzungen über die Lebensumstände der bekannten Wiener Komponisten (Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, ...) doch ziemlich stark.
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14. Mai 2010
125. Geburtstag von Otto Klemperer
Ein Leserkommentar erinnerte mich heute an den 125. Geburtstag von Otto Klemperer.
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10. Mai 2010
Die u.a. von Robert Schumann herausgegebene "Neue Zeitschrift für Musik" ist online

Quelle: Screenshot Google Bücher online
Ein gewisser Dr. Robert Schumann gründete 1834 mit seinem späteren Schwiegervater Friedrich Wieck die Neue Zeitschrift für Musik. Diese interessante und längst gemeinfreie Quelle hat Google online zugänglich gemacht.
Übrigens existiert die Neue Zeitschrift für Musik bis heute; hier die aktuelle Internetseite.
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5. März 2010
Demokratie und Klassik (2): Tritt das Mahler Chamber Orchestra ohne seinen Konzertmeister auf?
Noch mal etwas aus der Reihe “Demokratie und Klassik”:
Gestern (4.03.2010) stand eine kurze Meldung im Feuilleton der Süddeutschen, der zufolge das Mahler Chamber Orchestra heute in Al-Ain im Emirat Abu Dhabi auftritt. Ohne seinen Konzertmeister Gregory Ahss. Das Orchester habe bestätigt, dass dem israelischen Dirigenten (richtig müsste es heißen: Konzertmeister, aber darauf kommt es jetzt nicht an) aufgrund seiner Staatsbürgerschaft die Einreise in die Vereingten Arabischen Emirate verweigert wurde, heißt es in der Süddeutschen. Dann wird eine Erklärung des Orchesters zitiert: “Dies ist besonders schmerzlich für uns, als wir leidenschaftlich die Ansicht vertreten, dass Musik eine wichtige Rolle als Botschafter zwischen Ländern und Kulturen spielen sollte.”
Das ist gut und schön. Aber warum tritt das Orchester überhaupt auf, wenn ein Mitglied offensichtlich nicht gewollt ist?
Hoffentlich steht im Konzert heute Abend ganz vorne am Pult der Ersten Geigen ein leerer Stuhl, um wenigstens zu symbolisieren, dass da einer fehlt.
Mir ist schon klar, dass das für ein Orchester mit der Struktur des MCO eine Zwickmühle ist. Wenn die nicht auftreten und keine Gage kriegen, haben die im Gegensatz zu einem öffentlich finanzierten städtischen Orchester oder einem Rundfunk-Klangkörper ein ernsthaftes, ein existenzielles Problem.
Aber es müsste doch irgendwie möglich sein, in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu kommunizieren, dass eine europäisch-amerikanische Kultur nicht ohne Achtung der Menschenrechte zu bekommen ist, wozu natürlich auch zählt, dass das Herkunftsland eines Musikers keine Rolle spielt. Auf dem Programm stehen übrigens Dvořák, Gershwin, Bernstein.
PS: Ich hätte die Meldung der Süddeutschen natürlich gerne verlinkt, kann sie aber online nicht finden (habe auch kein Abo).
PPS: Hier die Konzertankündigung.
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26. Februar 2010
ZKO Achterbahn
Gefunden über Kammerton.Blogspot. Der kurze Imagefilm des Zürcher Kammerorchesters gewann den red dot award: communication design 2009.
Find’s ganz witzig gemacht. Hier weitere Infos zum Film.
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18. Februar 2010
Richard Mohr - RCA Recording Icon
Richard Mohr/ Lewis Layton steht auf vielen Covers der von audiophilen Klassikliebhabern hoch geschätzten RCA-LPs der LSC-Reihe. Durch Zufall – eigentlich suchte ich Informationen über den Dirigenten Dimitri Mitropoulos – stieß ich nun auf eine Seite, die den Produzenten Richard Mohr ausführlich vorstellt.
Und hier, zur Erinnerung, noch einmal grundlegende Informationen zum Sammlergebiet RCA LSC 1234….
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18. Februar 2010
Chopin, der Weltbürger
Er ist alsdann weder Pole noch Franzose noch Deutscher, er verrät dann einen weit höheren Ursprung, man merkt alsdann, er stammt aus dem Lande Mozarts, Raffaels, Goethes, sein wahres Vaterland ist das Traumreich der Poesie.
Heinrich Heine, 1837 (zit. nach dem Booklet der neuen Chopin-CD von Anna Gourari)
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15. Februar 2010
Matthew Trusler bloggt
Matthew Trusler spielt mit einem Geigenbogen, der früher einmal Jascha Heifetz gehörte, auf einer Stradivari von 1711 – und ab und an findet er sogar Zeit zu bloggen.

Ich fand sein Blog, weil ich gerade seine aktuelle CD mit Aufnahmen der Violinkonzerte von Erich Wolfgang Korngold und Miklós Rózsa für Hifi & Records bespreche. Auch das ist ein erstaunliches Phänomen: Matthew Trusler betreibt sein eigenes CD-Label.
Da geht offenbar die Reise im Klassikbetrieb hin: Künstler suchen sich eigene Marketing-Instrumente und produzieren ihre eigenen Aufnahmen.
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11. Februar 2010
"Interview mit der Wahrheit" über Plattenverträge
Alice Hive hat einen Band-Musiker interviewt:
Das Musikbusiness verhält sich nach innen wie nach außen: Viel Show, wenig Substanz, viel Gerede, wenig Tat, das Spiel mit den Träumen der Menschen und eine ausgeprägte Abneigung gegen die Realität.
Interessante, wenn auch keineswegs überraschende Einblicke ins Musik-Business. Hier das ganze Interview.
Ich muss in dem Zusammenhang daran denken, dass Michelle Shocked vor etlichen Jahren ihr damaliges Plattenlabel erfolgreich unter Berufung auf das Verbot der Sklaverei verklagt hatte.
(via Januar-Linktipps von blog.funkygog.de, auf die ich in den Besuchsprotokollen meiner Seite aufmerksam wurde)
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9. Februar 2010
Wieviel Demokratie verträgt die Klassik?
Unter diesen Bedingungen wollte Christian Thielemann nicht mehr länger in München bleiben: Das Angebot zur Vertragsverlängerung enthielt, wie Julia Spinola am 23.07.2009 in der FAZ berichtete, die folgende Klausel: „Gastdirigenten, -programm und –solisten werden in Abstimmung mit dem Generalmusikdirektor vom Intendanten festgelegt.“ Das hätte den Gestaltungsspielraum des Chefs der Münchner Philharmoniker enger als bisher gefasst. Bei der Auswahl von Gastdirigenten wäre ihm nur noch ein Mitspracherecht zugekommen.
Thielemann hat die Konsequenzen gezogen; er verlässt München und geht nach Dresden – eine normale, zumindest aus seiner Perspektive verständliche Reaktion auf die Beschneidung von Einfluss- und Entscheidungsmöglichkeiten. Insofern geht es mir hier und jetzt auch nicht um Christian Thielemann. An seinem Fall wurde nur offenkundig, worauf viele Orchesterchefs noch heute bestehen, als handele es sich um ein ihnen mit geradezu naturgegebener Selbstverständlichkeit zukommendes Recht wie das von Eltern, ihre eigenen Kinder zu erziehen: Sie wollen bestimmen, wer wann welche Werke mit „ihrem“ Orchester aufführen darf. Viele Anstellungsverträge räumen ihnen offenbar auch genau dieses Recht ein; bei Thielemanns früherem Vertrag war es offenbar so.
Eine ausgesprochen seltsame Praxis. Schließlich sind Orchester nicht das Privateigentum von Dirigenten, sondern öffentlich finanzierte, riesige Apparate mit Millionenetats und oft über hundert hochqualifizierten und sehr gut bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die meisten Klangkörper in Deutschland stehen in der Trägerschaft von Städten. Die Kommunalpolitik entscheidet bei ihnen über Finanzen und Stellenpläne; das sind zwei wichtige Steuerungsinstrumente der lokalen Demokratie. Aber die Generalmusikdirektoren, die kontrolliert fast niemand. Sie schalten und walten wie Sonnenkönige.
Sollen Kommunalpolitiker etwa den Chefdirigenten und GMDs bis in ihre Konzertprogramme hinein reden? Natürlich nicht, oder besser: im Gegenteil. Ihre vornehmste Aufgabe liegt gerade darin, der Kunst und den Künstlern möglichst große Räume der Freiheit zu schaffen und zu erhalten. Das gelingt ihnen im Falle der Orchester allerdings am besten, wenn sie zweierlei verhindern: Erstens dürfen die Klangkörper unter keinen Umständen zum Faustpfand von Einladungskartellen werden können, wo sich GMDs und Chefdirigenten gegenseitig lukrative Gastdirigate zuschieben. Zweitens muss es Orchestern möglich sein, sich auch gegen den Willen ihrer Chefs für künstlerische Anregungen von außen zu öffnen. Um ein Beispiel zu konstruieren: Was wäre gewesen, wenn die Münchner Philharmoniker gerne ein Beethoven-Programm mit Roger Norrington oder eine Bruckner-Sinfonie mit Michael Gielen erarbeitet hätten? Die Entscheidung für oder gegen entsprechende Einladungen läge alleine bei Christian Thielemann – eine absurde Vorstellung.
München hat richtig gehandelt. Verträge, in denen GMDs oder Chefdrigenten als Alleinherrscher über Orchester installiert werden, gehören abgeschafft. Vielleicht lag ihr Sinn irgendwann einmal darin, den Orchesterleitern ein künstlerisch unabhängiges Arbeiten, frei von der Einmischung durch Dritte, zu garantieren. Heute stehen sie der Kunstfreiheit aber eher entgegen.
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