Platte11

13. Mai 2010

Centre Pompidou-Metz

Heute da, aber nicht drin gewesen. Von drei Stunden Wartezeit in der Schlange war die Rede. Vielleicht im September oder Oktober …

Aber ein paar Fotos habe ich mitgebracht.

Die Eröffnungsausstellung des Centre Pompidou-Metz heißt: “Meisterwerke?”

Freier Eintritt am Eröffnungswochenende – und alle wollen hin.

Der Zaun erzählt die Baugeschichte.

Die Gestaltung der Grünanlagen nimmt die Wellenform der Dachkonstruktion auf. Oder spielen beide auf die hügelige Landschaft Lothringens an?

Assoziationen: Hier gibt das Dach den Blick wie ein Augenlid frei. Es erinnert mich aber auch ein wenig an die “Schwangere Auster” in Berlin.

Die Dachkonstruktion. Ein traditionelles Material trägt ein modernes. Süddeutsche Handwerker haben mitgebaut.

Der scharfkantige Quader durchstösst die organische Form des Dachs auf fast gewaltsame Weise.

Sicher, die Architektur ist verspielt. Nähme man ihr allerdings das Dach und die Quader weg, bliebe ein recht gewöhnliches Gebäude übrig.

Das Centre Pompidou-Metz liegt am Rand der Innenstadt. In der Umgebung: Bahnlinien …

... und erstaunlich viel Grün. Die spektakuläre Architektur kommt hier gut zur Wirkung, weil der Betrachter – anders als in einer Innenstadtlage – immer neue, auch entferntere Perspektiven suchen kann.

Normalerweise geht man in ein Museum, um sich drinnen etwas anzusehen. Das Centre Pompidou-Metz scheint dagegen einzuladen: Kommst Du rein, kannst Du raus gucken!

Es eröffnen sich Ausblicke in jede Himmelsrichtung. Die zurückgesetzen, gleichsam in Sonnenblenden gefassten Glasfronten sehen aus wie Schiffsbrücken oder Überwachungskameras.

Ob die drinnen gezeigte Kunst der Konkurrenz der hier eröffneten Panoramen stand hält?

Mir gefällt das Centre Pompidou-Metz jedenfalls. Es bildet nicht nur einen selbstbewussten, ja aufregenden Gegenpol zum Dom von Metz, sondern auch zu den vielen Gebäuden in der Stadt, denen man ansieht, dass sie früher eine Verwaltungsfunktion hatten oder militärisch genutzt wurden. Verglichen mit der ewigen Konkurrentin, nämlich Nancy mit seinen Jugendstil-Gebäuden und mit dem Place Stanislas, hatte die Stadt Metz touristischen Besuchern nicht viel zu bieten. Nancy wirkte wohlhabender, bürgerlicher, schicker, kulturbeflissener – bisher jedenfalls. Metz war dagegen einfach nur eine alte Garnisonsstadt in einer schwerindustriellen Region.

Beide – Militär und Industrie – zogen und ziehen ab. Darum sprach “Sarko” in seiner Eröffnungsrede wohl auch um Optimismus werbend von der “Renaissance von Metz”. 200.000 Besucher sollen im Centre Pompidou-Metz pro Jahr erwartet werden. Damit sind natürlich auch Hoffnungen beim Einzelhandel, in der Gastronomie und in der Hotellerie verbunden. Mal ganz davon abgesehen, dass ein solcher “Leuchtturm” das Image einer Stadt tiefgreifend wandeln kann.

200.000 Besucher pro Jahr – das klingt ambitioniert. Einen Vorteil hat Metz gegenüber anderen Provinzstädten allerdings: Es liegt für Luxemburger und Deutsche direkt auf dem Weg nach Paris. Von Saarbrücken aus braucht man keine Stunde hierher.

Am Wochenende spielt Aphex Twin und es gibt das in Frankreich bei großen Feiern fast obligatorische Feuerwerk. Beim Centre Pompidou-Metz ist man auf alles vorbereitet.

Weiterführende Links:

Artikel in der Zeit

Spiegel-Artikel über die Dachkonstruktion

Internetseite des Centre Pompidou-Metz

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10. Mai 2010

Die u.a. von Robert Schumann herausgegebene "Neue Zeitschrift für Musik" ist online

Quelle: Screenshot Google Bücher online

Ein gewisser Dr. Robert Schumann gründete 1834 mit seinem späteren Schwiegervater Friedrich Wieck die Neue Zeitschrift für Musik. Diese interessante und längst gemeinfreie Quelle hat Google online zugänglich gemacht.

Übrigens existiert die Neue Zeitschrift für Musik bis heute; hier die aktuelle Internetseite.

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5. Mai 2010

Jacob Mathew: The Artist of Audio

Screenshot von der Internetseite von Jacob Mathew

Vor einiger Zeit habe ich hier auf die Skulpturen von Moses hingewiesen. In eine ähnliche, sicher wohnungstauglichere Richtung gehen einige Werke von Jacob Mathew. Hier seine Internetseite.

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26. April 2010

L’itinéraire du charbon et de l’acier / Radweg von Kohle und Stahl

L’itinéraire du charbon et de l’acier, also der Radweg zum Thema Kohle und Stahl bei Petite-Rosselle und Forbach, führt über eine ehemalige Bahnstrecke. Reste der Signalanlagen kann man noch sehen. Enttäuschend finde ich allerdings die Präzision der Ausschilderung. Außerdem ist der Radweg offenbar noch lange nicht fertig – das beziehe ich nicht auf den fehlenden Asphalt, sondern auf die geringe Länge.

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26. April 2010

Arbeitersiedlung in Petite-Rosselle / Lothringen

Der Siedlungsbau von Bergwerksgesellschaften ist natürlich nicht auf das Ruhrgebiet beschränkt und das Reihenhaus keine Wohnform der letzten vierzig Jahre, wie ich bei einem Abstecher vom L’itinéraire du charbon et de l’acier wieder einmal erlebt habe:

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15. April 2010

Lothringen

Wie das Kommen und Gehen der (Bergbau-)Industrie eine Landschaft, aber auch eine Gesellschaft verändert, das erlebt man in Lothringen viel stärker als zum Beispiel im Ruhrgebiet. Der Grund liegt vielleicht darin, dass das Ruhrgebiet schon einen Schritt weiter ist als Lothringen. Die Versorgung der Wunden wurde in NRW ja mit großem Aufwand betrieben.

Alle Fotos aus dem fahrenden Bummelzug.

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19. Februar 2010

Richard Mohr - RCA Recording Icon

Richard Mohr/ Lewis Layton steht auf vielen Covers der von audiophilen Klassikliebhabern hoch geschätzten RCA-LPs der LSC-Reihe. Durch Zufall – eigentlich suchte ich Informationen über den Dirigenten Dimitri Mitropoulos – stieß ich nun auf eine Seite, die den Produzenten Richard Mohr ausführlich vorstellt.

Und hier, zur Erinnerung, noch einmal grundlegende Informationen zum Sammlergebiet RCA LSC 1234….

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18. Februar 2010

"Heute ist guter Klang Luxus" - Jens Jessens Lob der schweren Hifi-Geräte

Der Artikel ist damals wohl komplett an mir vorbei gegangen.

Es ist immer schön, wenn gute Musikwiedergabe auch von der “normalen” Presse thematisiert wird. Wir Hifi-Journalisten haben ja sonst so einen Exoten-Status, nach dem Motto: Verrückte schreiben für Verrückte …

Nicht alle Passagen des Artikels von Jens Jessen überzeugen mich inhaltlich hundertprozentig, aber für diese hier möchte ich ihm applaudieren:

“Wer nie erlebt hat, wie Gitarrensaiten Schwielen an den Händen machen oder die Ventile einer Trompete sich mit Spucke füllen, könnte Musik für etwas halten, was aus dem Kopf des Komponisten direkt in den Kopf des Hörers fließt – im Grunde eine unglaubliche Sublimation, eine Vergeistigung durch die Mittel der Technik, die begeistern müsste.

Wenn nicht alles Lug und Trug wäre. Denn es ist nur das MP3-File, das nicht mehr verrät, wie der Flötist schnauft und die Klappen der Oboen schmatzen. Die ursprüngliche CD, aber auch die gute alte Schallplatte, gut abgetastet, verraten das durchaus.”

(aus: “Spiel mir das Lied vom Ton – Vor 25 Jahren löste die CD die Schallplatte ab. Dann kamen Internet und MP3. Heute ist guter Klang Luxus. Ein Lob der schweren Hi-Fi-Geräte.”, Jens Jessen in der Zeit vom 26.08.2007)

Hier noch einmal der Link.

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16. Februar 2010

George Benson: "naturals" aus der Serie "Colour of Music"

Bildnachweis: “naturals” aus der Serie “Colour of Music” von George Benson, mit freundlicher Abbildungsgenehmigung des Künstlers, (Copyright: gwbenson)

Der in der Nähe von Birmingham lebende Künstler George Benson beschreibt diese fotografische Arbeit so:

“Die Serie betrachtet alleine die Farbe der Plattenhüllen, wobei die Platten jeweils nach Farben sortiert werden. Auf diese Weise werden die Genres gemischt: Techno steht neben Hiphop steht neben Rock steht neben House und so weiter.”

Übrigens: Die Serie ist “for sale”. Wäre das nichts als Wandschmuck für einen Hifi-Laden?

Hier die komplette Serie sowie eine Kontaktmöglichkeit zum Künstler.

Mit Dank an Thorsten Konigorski, wo ich über die Arbeit von George Benson zum ersten Mal gelesen habe.

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16. Februar 2010

Do you remind me what a "record" is please?

- Do you remind me what a “record” is please?

- Do you mean a vinyl record? For serious??! I’m 12 and i know what they are! It’s the large black disc with ridges that play music with the help of a turntable!

Aus den Kommentaren zu diesem Eintrag bei Yanko-Design (via blog.funkygog.de).

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15. Februar 2010

Matthew Trusler bloggt

Matthew Trusler spielt mit einem Geigenbogen, der früher einmal Jascha Heifetz gehörte, auf einer Stradivari von 1711 – und ab und an findet er sogar Zeit zu bloggen.

matthew-trusler-korngold-rozsa-cd

Ich fand sein Blog, weil ich gerade seine aktuelle CD mit Aufnahmen der Violinkonzerte von Erich Wolfgang Korngold und Miklós Rózsa für Hifi & Records bespreche. Auch das ist ein erstaunliches Phänomen: Matthew Trusler betreibt sein eigenes CD-Label.

Da geht offenbar die Reise im Klassikbetrieb hin: Künstler suchen sich eigene Marketing-Instrumente und produzieren ihre eigenen Aufnahmen.

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11. Februar 2010

"Interview mit der Wahrheit" über Plattenverträge

Alice Hive hat einen Band-Musiker interviewt:

Das Musikbusiness verhält sich nach innen wie nach außen: Viel Show, wenig Substanz, viel Gerede, wenig Tat, das Spiel mit den Träumen der Menschen und eine ausgeprägte Abneigung gegen die Realität.

Interessante, wenn auch keineswegs überraschende Einblicke ins Musik-Business. Hier das ganze Interview.

Ich muss in dem Zusammenhang daran denken, dass Michelle Shocked vor etlichen Jahren ihr damaliges Plattenlabel erfolgreich unter Berufung auf das Verbot der Sklaverei verklagt hatte.

(via Januar-Linktipps von blog.funkygog.de, auf die ich in den Besuchsprotokollen meiner Seite aufmerksam wurde)

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11. Februar 2010

Analoge und digitale Fotografie

Zitat aus “Analog-Film ohne Chance” beim Stil-Piraten:

Wenn man Fotografie als ein kontrast- und detailreiches, fehlerfreies und bis in die Ränder scharfes Abbilden eines Motives mit exakten Farbwerten, präzise ausgerichtetem Horizont sowie anschliessendem Posting in die gängigen Klugscheisserforen versteht, dann unterschreibe ich: “Film ohne Chance!”

Quelle: Der Stilpirat

Recht hat er, der Stilpirat.

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9. Februar 2010

Wieviel Demokratie verträgt die Klassik?

Unter diesen Bedingungen wollte Christian Thielemann nicht mehr länger in München bleiben: Das Angebot zur Vertragsverlängerung enthielt, wie Julia Spinola am 23.07.2009 in der FAZ berichtete, die folgende Klausel: „Gastdirigenten, -programm und –solisten werden in Abstimmung mit dem Generalmusikdirektor vom Intendanten festgelegt.“ Das hätte den Gestaltungsspielraum des Chefs der Münchner Philharmoniker enger als bisher gefasst. Bei der Auswahl von Gastdirigenten wäre ihm nur noch ein Mitspracherecht zugekommen.

Thielemann hat die Konsequenzen gezogen; er verlässt München und geht nach Dresden – eine normale, zumindest aus seiner Perspektive verständliche Reaktion auf die Beschneidung von Einfluss- und Entscheidungsmöglichkeiten. Insofern geht es mir hier und jetzt auch nicht um Christian Thielemann. An seinem Fall wurde nur offenkundig, worauf viele Orchesterchefs noch heute bestehen, als handele es sich um ein ihnen mit geradezu naturgegebener Selbstverständlichkeit zukommendes Recht wie das von Eltern, ihre eigenen Kinder zu erziehen: Sie wollen bestimmen, wer wann welche Werke mit „ihrem“ Orchester aufführen darf. Viele Anstellungsverträge räumen ihnen offenbar auch genau dieses Recht ein; bei Thielemanns früherem Vertrag war es offenbar so.

Eine ausgesprochen seltsame Praxis. Schließlich sind Orchester nicht das Privateigentum von Dirigenten, sondern öffentlich finanzierte, riesige Apparate mit Millionenetats und oft über hundert hochqualifizierten und sehr gut bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die meisten Klangkörper in Deutschland stehen in der Trägerschaft von Städten. Die Kommunalpolitik entscheidet bei ihnen über Finanzen und Stellenpläne; das sind zwei wichtige Steuerungsinstrumente der lokalen Demokratie. Aber die Generalmusikdirektoren, die kontrolliert fast niemand. Sie schalten und walten wie Sonnenkönige.

Sollen Kommunalpolitiker etwa den Chefdirigenten und GMDs bis in ihre Konzertprogramme hinein reden? Natürlich nicht, oder besser: im Gegenteil. Ihre vornehmste Aufgabe liegt gerade darin, der Kunst und den Künstlern möglichst große Räume der Freiheit zu schaffen und zu erhalten. Das gelingt ihnen im Falle der Orchester allerdings am besten, wenn sie zweierlei verhindern: Erstens dürfen die Klangkörper unter keinen Umständen zum Faustpfand von Einladungskartellen werden können, wo sich GMDs und Chefdirigenten gegenseitig lukrative Gastdirigate zuschieben. Zweitens muss es Orchestern möglich sein, sich auch gegen den Willen ihrer Chefs für künstlerische Anregungen von außen zu öffnen. Um ein Beispiel zu konstruieren: Was wäre gewesen, wenn die Münchner Philharmoniker gerne ein Beethoven-Programm mit Roger Norrington oder eine Bruckner-Sinfonie mit Michael Gielen erarbeitet hätten? Die Entscheidung für oder gegen entsprechende Einladungen läge alleine bei Christian Thielemann – eine absurde Vorstellung.

München hat richtig gehandelt. Verträge, in denen GMDs oder Chefdrigenten als Alleinherrscher über Orchester installiert werden, gehören abgeschafft. Vielleicht lag ihr Sinn irgendwann einmal darin, den Orchesterleitern ein künstlerisch unabhängiges Arbeiten, frei von der Einmischung durch Dritte, zu garantieren. Heute stehen sie der Kunstfreiheit aber eher entgegen.

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7. Februar 2010

Siegfried Lauterwasser - Karajans "Hausfotograf" hatte eine Vorgeschichte

“Foto: Siegfried Lauterwasser”, so steht es unter oder neben manchem veröffentlichten Foto von Herbert von Karajan. Was mir nicht klar war, dieser Blog-Eintrag aber andeutet und inzwischen auch im Wikipedia-Eintrag über Siegfried Lauterwasser zu lesen ist: Der in Überlingen am Bodensee geborene Fotograf war während des Zweiten Weltkriegs als Bildberichterstatter in einer Propaganda-Kompanie tätig und hatte sich auch zuvor schon fotografisch für den Nationalsozialismus engagiert.

Foto: Siegfried Lauterwasser / DG

Gibt es da womöglich so etwas wie “ästhetische” Kontinuitäten? Dieses sehr bekannte Foto von Herbert von Karajan und viele andere legen den Gedanken zumindest nahe, auch wenn es keine ausgesprochene (etwa für die Arbeiten von Leni Riefenstahl typische) Untersichtsperspektive zeigt, sondern nur einen imperativen Blick und eine imperative Gestik (die für Dirigenten gewiss nicht untypisch ist und insofern nicht zwingend zu Misstrauen berechtigt). Aber von anderen Vertretern der Karajan-Generation – Solti, Bernstein, Giulini – kennt man vergleichbare Fotos eigentlich nicht … Auf “offiziellen”, für Plattencover und andere Publikationformen vorgesehenen Fotos ließen sich die Karajan-Kollegen eher nachdenklich, versunken, visionär oder freundlich-lächelnd fotografieren (die Google-Bildersuche tritt jederzeit den Beweis dafür an!).

Ich bin nur ein interessierter Laie, finde aber, dass dieses Thema geradezu nach einer eingehenden kunsthistorischen Untersuchung ruft.

Wichtige Fragen könnten dabei sein:

- Unterscheiden oder gleichen sich Lauterwassers Propaganda-Fotos von seinen Karajan-Fotos?

- Welche Kritierien legte Karajan bei der Auswahl von Fotografen und Fotografien an?

- Wie wurden die Lauterwasser-Fotos im Nachkriegsdeutschland wahrgenommen? Gab es kritische Stimmen zu dieser Art der Inszenierung?

In dem Zusammenhang finde ich es interessant, dass noch im Jahr 2008 in einer Ausstellungsankündigung die Vergangenheit Lauterwassers offenbar überhaupt keine Rolle gespielt hat.

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