18. Juni 2007
Arbeiten im Fahrradladen
Vorige Woche war ich in einem Fahrradladen. Ich musste in der Werkstatt warten und bekam etwas von den Arbeitsabläufen und der Atmosphäre mit.
Ein Mechaniker zog einen neuen Reifen auf. Dann sah er sich das ganze Fahrrad eingehend an. Er ließ sich Zeit. Schließlich griff er zum Telefon und rief den Kunden an. Er erklärte detailgenau, welche Arbeiten in Zukunft noch anstünden, dies und jenes nämlich, und dass zwei Dinge eigentlich unaufschiebbar wären: Die Bremsgummis und auch den anderen Reifen, am Hinterrad, sollte man wechseln.
Der Kunde arbeitete offenbar in unmittelbarer Nähe, denn er kam wenige Minuten später in der Werkstatt vorbei und ließ sich alles noch einmal erklären. Das machte der Mechaniker mit großer Ruhe und Freundlichkeit. Der Kunde erweiterte seinen Auftrag und ließ auch den zweiten Reifen und die Bremsgummis wechseln sowie die Speichen nachspannen.
In einer dieser typischen Auto-Werkstätten mit ihrer streng hierarchischen Struktur vom Annahme-Meister über den Kundendienst-Meister bis zum Monteur, der die tatsächliche Arbeit schließlich ausführt, habe ich sowas noch nicht erlebt. Da darf der Monteur mich, den Kunden, vermutlich nicht einmal anrufen, weil für die Kundenkontakte ja die Meister zuständig sind. Und er für die Arbeit.
Im Fahrradladen war das anders. Vielleicht hat das damit zu tun, dass der Mechaniker in dem Fahrradladen sein eigener Chef ist und ihm niemand sagt, was er zu tun und zu lassen hat. Der Fahrradladen gehört nämlich den vier Männern, die in der Werkstatt und im Verkauf arbeiten. Es ist so eine Art „selbstverwalteter“ Betrieb.
Vor zwanzig Jahren hätte ich dieses Konzept toll gefunden. Vor zehn Jahren hätte ich es als „romantisch“ belächelt. Das ist heute wieder ganz anders. Als Kunde würde ich mich da nämlich sehr gut aufgehoben fühlen, wo derjenige, der eine Arbeit ausführt, mir diese Arbeit auch erklären und mit mir abstimmen darf und am Ende schließlich als Unternehmer auch noch den Kopf dafür hin hält.
Schon klar, dass sich das Modell des selbstverwalteten Fahrradladens nicht hundertprozentig auf einen großen Konzern übertragen ließe. Aber eine Zeitschrift könnte man auf diese Weise vermutlich ganz gut betreiben.
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