Platte11

9. Juni 2009

Braucht Bochum ein Konzerthaus?

Ehrlich, ich weiß es nicht, ob Bochum ein Konzerthaus braucht. Essen hat eins, Dortmund hat eins, Bochum hat keins. Aber von BO-Mitte ist man in 20 Minuten in Essen oder Dortmund. Warum dann ein Konzerthaus?

Auf der anderen Seite hat Bochum das einzige reine Konzertorchester unter den drei Städten. Wenn ein Orchester im Ruhrgebiet ein Konzerthaus verdient hätte, dann die Bochumer Symphoniker. Übrigens ein wirklich ausgezeichnetes Orchester mit einem charismatischen Dirigenten.

Wüssten die Ruhrgebietsstädte nicht mehr, wohin mit ihrem Geld, dann könnte man natürlich einfach sagen, dass gerade in der Vielfalt der Reiz der Region liegt. Dass es alles doppelt und dreifach gibt, macht das Ruhrgebiet nämlich aus. Und es betrifft ja nicht nur die Konzerthäuser, sondern auch die Theater, die Opernhäuser (Bochum hat keines), die Bundesliga-Vereine (Essen hat keinen), die Tierparks und zoologischen Gärten …

Aber in den Ruhrgebietsstädten sind nur die Löcher im Asphalt noch größer als die Löcher im Haushalt.

Darum wäre es sinnvoll gewesen, wenn die Großstädte im Ruhrgebiet frühzeitig ihre Kirchturmspolitik aufgegeben und ihre jeweiligen Stärken ausgebaut, dafür aber auch auf anderen Feldern den Nachbarstädten den Vortritt gelassen hätten. Das sähe dann vielleicht so aus:

Essen wäre die Hauptstadt des Reviers für aufwändige Opern des 19./20. Jahrhunderts (Wagner, Verdi, Strauss, Schostakowitsch,...) geworden. Da hat das Aalto-Musiktheater nämlich seine Stärke.

Bochum wäre die Hauptstadt des Reviers für Sinfonische Konzerte und das Schauspiel geworden.

Dortmund hätte man zur Hauptstadt des Reviers für Kammermusik- und Klavierabende machen können. Das vorhandene Opernhaus hätte sich spezialisieren können, zum Beispiel auf Opern zwischen 1650 und 1850 oder auf Operetten oder…

Dass inzwischen ausgerechnet die beiden Städte, die kein reines Konzert-Orchester haben (die Orchester von Dortmund und Essen spielen jeweils auch in der Oper), große Konzertsäle betreiben, zeigt nur, wie viel Verbesserungspotenzial in der Feinabstimmung die Kulturpolitik im Ruhrgebiet gelinde gesagt noch hat.

Warum ich gerade darüber nachgedacht habe? Wegen der heftigen Diskussion im Anschluss an einen Bericht über ein Benefiz-Konzert von Herbert Grönemeyer für das Konzerthaus in Bochum.

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