23. Januar 2010
Christian v. Ditfurth: Mann ohne Makel

Habe diesen mit unglaublich guten Rezensionen (“Deutschlands Antwort auf Henning Mankell”) bedachten Kriminalroman gelesen und bin ein wenig enttäuscht. Und das liegt nicht an der Hauptfigur des Dr. Josef Maria Stachelmann, einem Historiker und Anti-Helden. Auch finde ich die Idee, die Krimihandlung gewissermaßen vor dem Hintergrund zweier parallel verlaufender, sich aber gelegentlich treffender Ermittlungsstränge – hier Stachelmann und die ihn unterstützende Anne, dort die Polizisten “Ossi” und Carmen – zu entwickeln, ziemlich reizvoll. Was mich aber gestört hat, das war die Tatsache, dass etliche Figuren seltsam undefiniert bleiben und nicht richtig zur Entfaltung kommen. Das betrifft nicht zuletzt die Täter.
Außerdem entwickelt Christian v. Ditfurth zu Beginn des Kriminalromans mindestens zwei Nebenhandlungen, die am Ende nur mit Mühe in die (sonst durchaus überzeugende) Lösung gezwängt werden. Ich denke dabei an die Figur der Alicia Weitbrecht, welche Stachelmann ein wenig auf die Pelle rückt, aber auch an den Tod der Polizistin Ulrike Kreimeier.
Kein schlechter Krimi, wirklich nicht. Aber diese überschwänglichen Kritiken … Meine Einschätzung: Kein Vergleich zu Rankin, Vargas oder Disher (habe gerade “Beweiskette” gelesen: exzellent!), um mal ein paar Autoren zu nennen, deren Krimis ich richtig gut finde.
Immerhin animiert mich “Mann ohne Makel” dazu, vielleicht doch noch einen zweiten aus der Stachelmann-Reihe auszuprobieren.
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