Platte11

5. März 2010

Demokratie und Klassik (2): Tritt das Mahler Chamber Orchestra ohne seinen Konzertmeister auf?

Noch mal etwas aus der Reihe “Demokratie und Klassik”:

Gestern (4.03.2010) stand eine kurze Meldung im Feuilleton der Süddeutschen, der zufolge das Mahler Chamber Orchestra heute in Al-Ain im Emirat Abu Dhabi auftritt. Ohne seinen Konzertmeister Gregory Ahss. Das Orchester habe bestätigt, dass dem israelischen Dirigenten (richtig müsste es heißen: Konzertmeister, aber darauf kommt es jetzt nicht an) aufgrund seiner Staatsbürgerschaft die Einreise in die Vereingten Arabischen Emirate verweigert wurde, heißt es in der Süddeutschen. Dann wird eine Erklärung des Orchesters zitiert: “Dies ist besonders schmerzlich für uns, als wir leidenschaftlich die Ansicht vertreten, dass Musik eine wichtige Rolle als Botschafter zwischen Ländern und Kulturen spielen sollte.”

Das ist gut und schön. Aber warum tritt das Orchester überhaupt auf, wenn ein Mitglied offensichtlich nicht gewollt ist?

Hoffentlich steht im Konzert heute Abend ganz vorne am Pult der Ersten Geigen ein leerer Stuhl, um wenigstens zu symbolisieren, dass da einer fehlt.

Mir ist schon klar, dass das für ein Orchester mit der Struktur des MCO eine Zwickmühle ist. Wenn die nicht auftreten und keine Gage kriegen, haben die im Gegensatz zu einem öffentlich finanzierten städtischen Orchester oder einem Rundfunk-Klangkörper ein ernsthaftes, ein existenzielles Problem.

Aber es müsste doch irgendwie möglich sein, in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu kommunizieren, dass eine europäisch-amerikanische Kultur nicht ohne Achtung der Menschenrechte zu bekommen ist, wozu natürlich auch zählt, dass das Herkunftsland eines Musikers keine Rolle spielt. Auf dem Programm stehen übrigens Dvořák, Gershwin, Bernstein.

PS: Ich hätte die Meldung der Süddeutschen natürlich gerne verlinkt, kann sie aber online nicht finden (habe auch kein Abo).

PPS: Hier die Konzertankündigung.

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