Platte11

3. Juli 2009

Émile Gallé: Nature & Symbolisme, Ausstellung im Musée Départemental Georges de la Tour in Vic-sur-Seille

Der Begriff “Kunstgewerbe” hat ja zwei Hälften, und beide zusammen beschreiben tatsächlich gut, was Émile Gallé (1846-1904) tat. Er war mit seinen hinreißenden Entwürfen nicht nur der bedeutendste Glaskünstler seiner Zeit, sondern auch ein global agierender Unternehmer, in dessen Werkstätten zeitweise mehr als 300 Angestellte arbeiteten und der Verkaufsstellen in Paris, Frankfurt und London betrieb.

Das Musée Départemental Georges de la Tour in Vic-sur-Seille bei Nancy zeigt noch bis zum 30. August rund 150 Werke von Émile Gallé – teils Leihgaben aus Japan, Dänemark und den USA. Ich habe mir die Ausstellung an einem Samstagnachmittag angesehen. Sie war ziemlich gut besucht, aber in dem nicht riesigen, aber mehrgeschossigen Bau kann man Besuchergruppen und Führungen ganz gut aus dem Wege gehen und sich die Ausstellung in seinem eigenen Tempo erlaufen – kein Vergleich zu irgendwelchen Ausstellungs-“Events” in Paris und anderswo, wo man stundenlang bei der Kasse ansteht, um sich später, eingezwängt zwischen Hunderten, an Ausstellungsobjekten vorbei schieben zu lassen.

Was mich besonders erstaunt hat: Émile Gallés eigentlich kunstferne Studienfächer und Interessen haben sich sein Leben lang überdeutlich in seinen Entwürfen niedergeschlagen. Der in Nancy geborene Sohn eines Fayencen- und Kristallhändlers hatte nämlich in Deutschland neben Philosophie auch Zoologie, Botanik und Mineralogie studiert. Klingt fast nach einem universell gelehrten Naturforscher wie Alexander von Humboldt, nicht war? Jedenfalls begegnen einem auf dem Ausstellungsrundgang immer wieder Glasobjekte mit sehr detaillierten, fast wie wissenschaftliche Dokumentationen wirkende Abbildungen von Pflanzen und Tieren – vor allem von Vögeln und Insekten.

Wer die Ausstellung besuchen möchte, sollte unbedingt auch zur Touristen-Information gehen und sich einen Plan mit den weiteren Sehenswürdigkeiten von Vic-sur-Seille aushändigen lassen. Schon das Gebäude der Touristen-Information selbst macht Lust auf einen Besuch, oder?

Es handelt sich um das Hôtel de la Monnaie, die bischöfliche Münze aus dem Jahr 1456.

Übrigens, etwa 200m vom Ausstellungsort entfernt kann man ordentliche und bezahlbare Weine verkosten: DOMAINE DIETRICH GIRARDOT; 32 rue Meynier; 57630 VIC SUR SEILLE.

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