Platte11

8. Dezember 2009

Herbert von Karajan über Musik der Gegenwart und andere Themen

Ein interessantes, zum Teil aber auch befremdlich wirkendes Interview, das Herbert von Karajan der Zeitschrift Stereo Review gab. Befremdlich, weil Karajan bestimmte musikalische Kompetenzen vor allem aus Afrika stammenden Menschen zuschreibt. Überschreitet das Gesagte schon die Grenze zum Rassismus? Ich weiß es nicht. Es ist jedenfalls sicher nicht im Sinne einer Herabsetzung gemeint.

Und noch etwas irritiert, nämlich diese Selbsteinschätzung Karajans: “As for myself, I can tolerate wrong notes, but I cannot stand unstable rhythm.”

Damit liegt er nach meiner Wahrnehmung ziemlich daneben. Gerade das Rhythmische gehörte nicht zu seinen Stärken. 2008 schrieb ich: “Problematisch sind seine Aufnahmen von Musik, die eine hohe rhythmische Präzision verlangt und ein beharrlich kühles Herz, das sich nicht mitreißen lässt und seinen Stiefel durchzieht: Den Boléro von Ravel oder Le sacre du printemps von Strawinski (beide von HvK 1964 für die DG aufgenommen) haben Pierre Boulez oder Pierre Monteux besser im Griff” (aus: Herbert von Karajan und die Schallplatte, erschienen in image hifi 3/2008).

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