Platte11

7. Februar 2010

Siegfried Lauterwasser - Karajans "Hausfotograf" hatte eine Vorgeschichte

“Foto: Siegfried Lauterwasser”, so steht es unter oder neben manchem veröffentlichten Foto von Herbert von Karajan. Was mir nicht klar war, dieser Blog-Eintrag aber andeutet und inzwischen auch im Wikipedia-Eintrag über Siegfried Lauterwasser zu lesen ist: Der in Überlingen am Bodensee geborene Fotograf war während des Zweiten Weltkriegs als Bildberichterstatter in einer Propaganda-Kompanie tätig und hatte sich auch zuvor schon fotografisch für den Nationalsozialismus engagiert.

Foto: Siegfried Lauterwasser / DG

Gibt es da womöglich so etwas wie “ästhetische” Kontinuitäten? Dieses sehr bekannte Foto von Herbert von Karajan und viele andere legen den Gedanken zumindest nahe, auch wenn es keine ausgesprochene (etwa für die Arbeiten von Leni Riefenstahl typische) Untersichtsperspektive zeigt, sondern nur einen imperativen Blick und eine imperative Gestik (die für Dirigenten gewiss nicht untypisch ist und insofern nicht zwingend zu Misstrauen berechtigt). Aber von anderen Vertretern der Karajan-Generation – Solti, Bernstein, Giulini – kennt man vergleichbare Fotos eigentlich nicht … Auf “offiziellen”, für Plattencover und andere Publikationformen vorgesehenen Fotos ließen sich die Karajan-Kollegen eher nachdenklich, versunken, visionär oder freundlich-lächelnd fotografieren (die Google-Bildersuche tritt jederzeit den Beweis dafür an!).

Ich bin nur ein interessierter Laie, finde aber, dass dieses Thema geradezu nach einer eingehenden kunsthistorischen Untersuchung ruft.

Wichtige Fragen könnten dabei sein:

- Unterscheiden oder gleichen sich Lauterwassers Propaganda-Fotos von seinen Karajan-Fotos?

- Welche Kritierien legte Karajan bei der Auswahl von Fotografen und Fotografien an?

- Wie wurden die Lauterwasser-Fotos im Nachkriegsdeutschland wahrgenommen? Gab es kritische Stimmen zu dieser Art der Inszenierung?

In dem Zusammenhang finde ich es interessant, dass noch im Jahr 2008 in einer Ausstellungsankündigung die Vergangenheit Lauterwassers offenbar überhaupt keine Rolle gespielt hat.

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