16. Juli 2009
Unpassende Werbung bei Don Alphonso. Und: Wir brauchen Adnation, aber anders.
Don Alphonso stänkert mal wieder ein wenig gegen Werbung. Das macht er dauernd. Über Werbung vom Leder zu ziehen, das scheint mir manchmal sein Hauptanliegen zu sein – vor allem in der Blogbar. Insbesondere die Adnation-Blogger um Spreeblick herum greift er regelmäßig frontal an. Ich lese seine mittlerweile drei Weblogs ziemlich regelmäßig, obwohl ich seine Meinung zur Werbung nicht teile. Wenn man, wie ich, eine Zeit lang nebenbei und ganz gelegentlich als Texter für so “spannende” Themen wie ein Treuhandbüro aus der Schweiz oder Hydraulik-Technologie für Nahverkehrszüge gearbeitet hat, sieht man den Themenkomplex “Werbung und PR” zwangsläufig anders als er.
Werbung ist aus meiner Sicht genauso eine Art, Geld zu verdienen, wie das Taxi-Fahren, die Schweinezucht, ein Bauunternehmen oder ein Bundestagsmandat. Alles kann man unehrlich tun, aber eben auch ehrlich.
Jetzt ist was Lustiges passiert. Ich habe den FAZ-Artikel gelesen, in dem er mit der neuen Werbestrategie von Vodafone abrechnet. Schon früher hatte ich mich ja gefragt, was er wohl macht, wenn – ohne sein Zutun – die erste Vodafone-Werbung in seinem FAZ-Blog erscheint. Nun, so ist es nicht gekommen. Aber ausgerechnet die Werbung eines Blogvermarkters, dessen Arbeitsweise aus meiner Sicht besonders kritisch zu betrachten ist, erschien heute im unmittelbaren Umfeld seines Artikels:

(Bildnachweis: Screenshot, Ausschnitt)
Der Blogvermarkter inlinks.de “erlaubt es Ihnen Links innerhalb von redaktionellem Content von Webseiten zu kaufen” heißt es auf der Internetseite dieses Anbieters. Das Vermischen von Inhalt und Werbung gehört da also zum Prinzip – aus meiner Sicht ein glasklarer Verstoß gegen den Pressekodex, vor allem gegen Ziffer 7. Und ausgerechnet inlinks.de wirbt im Umfeld von Don Alphonso, dem Tugendwächter …!
Ich könnte mir vorstellen, dass ihn diese Werbung ärgert. Dabei ist das gar nicht schlimm. Denn es zeigt nur, dass es bei der FAZ keine Vermischung von Anzeigenabteilung und Redaktion gibt. Es belegt, dass Don Alphonso überhaupt keinen Einfluss auf die Werbung hat, die im Umfeld seines Artikels erscheint (wobei es sich in diesem Fall ohnehin um eine extern gesteuerte Google-Anzeige handelt). Das Zusammentreffen des Artikels von Don Alphonso und der Werbung von inlinks.de ist rein zufällig.

(Bildnachweis: Screenshot, Ausschnitt)
Genauso ein Zufall liegt darin, dass sich am Rande des vodafonekritischen Artikels heute Werbung des unmittelbaren Konkurrenten O2 befand. Jede Unterstellung, Don Alphonso ließe sich von O2 bezahlen, um kritisch über Vodafone zu berichten, wäre absolut lächerlich.
Wir sehen an den beiden Screenshots: Werbung und Inhalt können auf einer Internetseite ganz und gar getrennt voneinander existieren. Überhaupt kein Problem. Werbung ist nicht von vornherein schlecht – im Gegenteil: Werbung macht kostenlos zugängliche Publikationen erst möglich. Aber die großen Blogs und kleinen Internetpublikationen (mit Redaktionen zwischen einer und fünf Personen) bräuchten dringend einen Dienstleister, der ihnen diese Trennung garantiert und zugleich qualifiziertere und höher dotierte Werbung heranbringt als Google-Adsense.
Moment Mal, da war doch was? Genau: Adnation.
Wir bräuchten so etwas wie Adnation ohne die heiße Luft vollmundiger Ankündigungen.
Wer traut sich?
* * *
Kommentare
Tatsächloch ist solche Werbung nicht schön, aber ich habe darauf keinen Einfluss. Ich kann auch nicht alles aufgreifen, wa sich da rur, sonst könnte ich 24 Stunden dagegen abschreiben. Was Adnation/Adical angeht: Die Firma hat in der Zeit ihrer Gründung nachgerade darum gebettelt, zum Showcase für gute Werbung zu werden, und die beiden Macher haben sich die Rollen geteilt: Der verständnisvolle Johnny, der die Wogen der Blogosphäre glättet und der rabiate Lobo, der jeden Kritiker runtermacht und zeitgleich in den Agenturen tönt, man könne mit sowas wie mir locker fertig werden. Naja. Da dachte ich: Dös mochma. Probiammas aus. Dös wead griawig. Ich bin halt kein Berliner Ironiker, sondern ein sturer Bayer.
Don Alphonso · 16.07.2009 · #Natürlich hat ein Blogger keinen Einfluss auf Google-Anzeigen. Insofern liegt in diesem Punkt des Beitrags auch gar kein Vorwurf.
Ich finde die Kritik an Werbung auf Blogs aber oft völlig überzogen. Die Trennung zwischen Inhalt und Werbung ist wichtig (kann man nicht oft genug betonen), aber so lange wie das gewährleistet ist …
Das Problem im Falle der Adnation-Blogs liegt aus meiner Sicht nicht darin, dass sie sich auf Vodafone eingelassen haben, sondern darin, dass ihnen noch zwanzig weitere Werbekunden fehlen. Nicht in der Werbung an sich, sondern in der geringen Kundenzahl liegt die Gefahr für Verbiegungen und Klimmzüge.
Je mehr und je unterschiedlichere Werbekunden eine Publikation nämlich hat, desto unabhängiger kann sie agieren – es sei denn, ein hoher Verkaufspreis (den habe die Blogs ohne Bezahlinhalte ohnehin nicht) holt einen relevanten Teil der Kosten wieder rein und sorgt für Unabhängigkeit. Wenn einem auflagenstarken Automagazin wegen eines kritischen Artikels ein Hersteller als Werbekunde wegfallen sollte, dann tut das ein wenig weh, aber das halbe Jahr, bis er wieder zurück kommt, lässt sich gut überbrücken. Es gibt ja noch viele andere Hersteller, die Werbung buchen. Bei einem Blog-Vermarkter mit nur wenigen Werbekunden liegt die Gefahr einer Abhängigkeit viel näher.
Wobei den Adnation-Blogs mit Sicherheit klar ist, dass sie im Moment unter strenger Beobachtung stehen. Im Grunde können sie sich beim Thema Vodafone und Netzzensur gar nicht mehr bewegen: Jede Kritik an Zugangssperren kann ihnen seit dem Deal und den anschließenden Diskussionen als tumber Versuch ausgelegt werden, ihre Glaubwürdigkeit in der Online-Community zurück zu erlangen. Und bei jeder Kritik an der Kritik an Zugangssperren würde es heißen: Sie reden Vodafone nach dem Mund. Mit dieser Zwickmühle dürfte das Thema “Netzsperren” für Adnation-Blogs gestorben sein. Womit wiederum das eintreten wird, was viele Blogger schon vermuten: Ab jetzt ist Ruhe bei Sascha, Johnny und Co. Ich bin gespannt, wie die Berliner aus diesem Zirkel wieder raus kommen wollen.
hg · 16.07.2009 · #