Platte11

16. Juli 2009

Warum in der Blogosphäre so viel über Werbung diskutiert wird

Viele Leserinnen und Leser werden vielleicht überhaupt nicht verstehen, warum in der so genannten “Blogosphäre” die Werbung so ein heiß diskutiertes Thema ist, mit dem ich mich zum Beispiel hier beschäftigt habe.

Ich glaube, das liegt daran, dass ein Weblog oder Blog für viele Leute mehr als nur ein Content-Management-System ist, mit dem sie bequem Artikel veröffentlichen können. Es gibt innerhalb der Blogosphäre die Idee, ein Weblog müsse (oder könne zumindest) eine Alternative zu den herkömmlichen Medien darstellen und die Gatekeeper-Funktion des Journalismus unterlaufen. Blogs sollen dieser Idee zufolge für eine neue, kritische Öffentlichkeit sorgen. Und die erforderliche Unabhängigkeit sei eben nur gegeben, wenn man sich nicht “kaufen” lasse. Außerdem gibt es natürlich viele Surfer und Blogger, die Werbung im Internet immer nur mit einem negativen Beigeschmack, ja mit einem enormen Nerv-Faktor erlebt haben, Stichwort: Popups & Co. Für andere Blogger ist ihr Weblog schlicht und einfach so etwas wie ein virtuelles Wohnzimmer, wo man Freunden und Bekannten erzählt, was man erlebt hat. Schon klar, dass in einem solchen Rahmen Werbeunterbrechungen vollkommen unangebracht wären…

Ich halte diese dauernde Diskussion um Werbung für unergiebig. Was mich nicht hindert, mich trotzdem regelmäßig daran zu beteiligen. Genauso gut wie die Werbefreiheit von Blogs könnte man Forderungen aufstellen wie “Du sollst nicht gegen Eintrittsgeld politisches Kabarett machen”.

Dass die Diskussionen immer wieder aufflammen, hat auch damit zu tun, dass außer Privatleuten oder Idealisten oder Journalisten auch eine ganze Menge PR-Profis im Netz unterwegs sind, die Blogs nicht nur als Plattform zur Darstellung eines Unternehmens und seiner Produkte entdeckt haben (das Weblog von JPC ist ein gutes Beispiel), sondern zum Teil auch versuchen, durch fingierte Kommentare in privaten Blogs für ihre Produkte Aufmerksamkeit zu erzielen oder Meinungen zu beeinflussen. Was die Blogger natürlich überhaupt nicht mögen.

Die Diskussion wird uns wohl noch eine Weile verfolgen – vielleicht so lange wie es Blogs gibt.

Ich selbst neige übrigens zur Software-Theorie: Ein Blog ist ein CMS – mehr nicht. Was daraus wird, entscheidet allein der Blogger, der es füllt: ein Wohnzimmer, eine Zeitung, ein Fotoalbum, ...

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