Platte11

13. Oktober 2009

Willfried Baatz: 50 Klassiker / Photographen

Das Buch ist nicht neu, kam mir aber erst jetzt auf den Tisch: Der Kulturwissenschaftler und Foto-Historiker Willfried Baatz veröffentlichte bereits 2003 in der populären „50 Klassiker …“-Reihe des Gerstenberg-Verlages einen Band über Fotografen. „Von Louis Daguerre bis Nobuyoshi Araki“ steckt der Untertitel ein erfreulich weites und komplettes Feld von den Anfängen der Fotografie bis in die Gegenwart ab.

Natürlich ließe sich trotzdem über die Auswahl der vorgestellten Fotografen streiten – aber das kann man bei solchen Überblickspublikationen ja immer. Zu den stilprägenden, einflussreichen Fotografen hätten aus meiner Sicht wohl auch Helmut Newton, Andreas Gursky, Martin Parr oder Jürgen Teller gezählt. Aber 50 sind 50, und bei 50 war eben Schluss. Willfried Baatz stellt die ausgewählten Fotografen jeweils mit einem mehrseitigen Text vor, in dem er sie stilistisch einordnet und wichtige Karrierestationen und Bilder nennt. Diese Textabschnitte zeigen natürlich auch drei, vier für das jeweilige Werk charakteristische Fotos. Eine kurze Biografie schließt sich daran an; allerdings wird darin oft wiederholt, was man in den Haupttexten ohnehin gerade gelesen hat. Als Leser hätte ich es angenehmer gefunden, wenn beide Texte von vornherein zu einem zusammengefügt worden wären. Aber ein gewisser Lexikon-Charakter gehört nun einmal zum Prinzip der „50 Klassiker…“-Reihe, und das scheint eine Gliederung in solche Text-Abschnitte einzuschließen. Dieser Lexikon-Charakter hat auch Vorteile, denn im Anschluss an die Kurz-Bios wird jeweils auch noch ein wichtiger Begriff aus der Foto-Geschichte erläutert, beim Kapitel über Walker Evans beispielwsweise die Farm Security Administration (FSA), in deren Auftrag ab 1935 so viele Dokumentarfotos über das Landleben unter dem Einfluss der Weltwirtschaftskrise entstanden, beim Kapitel über Ansel Adams das von ihm erfundene so genannte Zonen-System (zur Bestimmung von Belichtungs- und Entwicklungszeiten für eine optimale Grauwert-Abstufung), bei Henri Cartier-Bresson ist es Magnum, die wohl bekannteste Fotoagentur der Welt. Kurzum: Über die vorgestellten Fotografen und ihr Werk hinaus erfährt man hier eine Menge über die Fotografie und ihre Geschichte und Technik.

Von allen inhaltlichen Aspekten einmal abgesehen: Willfried Baatz’ Buch überzeugt auch durch seine ebenso elegante wie präzise Art zu schreiben. Ich lese seine Texte gern. Dicke Empfehlung!

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