Platte11

11. Juni 2009

Youtube: Finding Consensus in the Emerson String Quartet

In dem folgenden Film zeigt sich das ganze Potenzial, das in Seiten wie Youtube steckt. Das Streichquartett ist ja an und für sich schon ein Minderheitenthema, das es so gut wie nie ins Fernsehen schafft. Und wenn doch ausnahmsweise einmal, dann geht es gewöhnlich darum, eine neue CD zu promoten oder ein Quartett-Jubiläum zu feiern. Dafür nimmt sich dann eine Sendung wie “Aspekte” vielleicht einige Minuten Zeit. Und man muss noch froh und dankbar sein, dass es so ist…, denn viel leichter als ein Streichquartett schafft es Sting mit seinem Dowland-Geknödel ins “Kulturfernsehen”, weil er eben Quote verspricht.

Bei Youtube spielt die Quote keine Rolle, und das macht Youtube zum idealen Kanal für Minderheitenprogramme, wozu ganz gewiss eine 105 Minuten (!) dauernde, in recht guter Amateurqualität mitgeschnittene Veranstaltung aus dem Philoctetes Center in New York gehört. Die amerikanische Geigerin Stephanie Chase unterhält sich dort mit Philip Setzer vom Emerson String Quartet, worüber der ebenfalls anwesende Psycholanalytiker Prof. Martin Nass ein wenig zur Randfigur wird.

Das wunderbare an dieser Aufzeichnung: Stephanie Chase ist eben keine “typische” Moderatorin, wie man sie in einer Talkshow des öffentlich-rechtlichen Fernsehens anträfe (von nix ‘ne Ahnung, nur vorher schnell von der Redaktion gebrieft: “... und vergiss nicht, dass es nicht Geigenstock, sondern Geigenbogen heißt!”), sondern für Philip Setzer eine Kollegin, die genau auf den Punkt kommt und auf Augenhöhe mitreden kann, wenn es darum geht den (ohnehin auskunftsfreudigen) Geiger über den Themenkomplex “Interpretation – Notentext – Vorbilder – Raumakustik – Publikum – Abstimmungsprozesse im Quartett – ....” zu befragen.

Höhepunkt der Aufzeichnung ist die adhoc-Interpretation eines Stückes aus den 44 Duos für zwei Violinen von Béla Bartók (“Sorrow”), welche sogleich Bartóks eigener Interpretation gegenüber gestellt wird, um daraufhin den Versuch einer feiner ausgearbeiteten zweiten Interpretation zu unternehmen.

Zum Unterhaltungswert tragen zwei schöne Rostropowitsch-Anekdoten bei.

Hier der Link.

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