Platte11

2. März 2010

"Zeche Hannover" - Fotografien aus dem Ruhrgebiet von Bernd und Hilla Becher in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur Köln

Bernd und Hilla Becher: Förderturm, Zeche Hannover 3/6, Bochum-Günnigfeld, Ruhrgebiet, D, 1972 (Pressematerial zur Ausstellung)

Um ehrlich zu sein, habe ich unter den für Pressezwecke angebotenen Ruhrgebietsfotos von Bernd und Hilla Becher dasjenige ausgesucht, was mir als “am wenigsten langweilig” erschien. Ich finde die für das berühmte Fotografenpaar typischen Bilder von den immer gleichen Motiven – Fachwerkhäusern, Zechen, Stahlhütten und Wassertürmen – beim immer gleichen Himmel – hell und diffus, ohne harte Schatten – in der immer gleichen, betont sachlichen Perspektive ein wenig ermüdend, auch wenn “die Bechers” es natürlich gerade darauf angelegt haben, in ihren Serienbildern die Vielfalt innerhalb einer Gattung darzustellen, was natürlich eine gewisse Wiederholung bedingt.

Bernd und Hilla Becher haben ein dokumentarisches Konzept verfolgt und ihr Mittel war die sachlich-nüchterne, scheinbar (nicht: anscheinend) auf Inszenierung verzichtende Fotografie.

Erstaunlich nur, dass ihre unspektakuläre, eher durch Fleiß und Durchhaltevermögen als durch fotografischen Reiz gekennzeichnete Arbeit so populär geworden ist. Vielleicht eine Auswirkung ihrer Lehrtätigkeit und ihrer vielen erfolgreichen und einflussreichen Schüler?

Wie auch immer: Es gibt wieder einmal eine neue Becher-Ausstellung. Hier ein Ausschnitt aus der Presseankündigung:

“Im Mittelpunkt dieser umfangreichen Ausstellung mit Werken von Bernd und Hilla Becher steht die Zeche Hannover, Bochum, die das Künstlerpaar 1971-74 in zahlreichen Photographien aufzeichnete. 1973 wurde das Steinkohlenbergwerk stillgelegt. Die bei wiederholten Besichtigungstouren über das Gelände erarbeiteten Schwarzweiß-Negative sind von beiden zwischen 2004 und 2006 einer erneuten Durchsicht unterzogen worden. Die daraus resultierenden Abzüge bilden die Grundlage für eine differenzierte Beschreibung der Anlage, wie sie der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur heute exklusiv in einem Satz von rund 200 originalen Abzügen vorliegt. Zeche Hannover gehört zu den am ausführlichsten dokumentierten Anlagen im Ouvre der Bechers. Diese werden der Öffentlichkeit erstmalig vorgestellt und können parallel zu den aktuellen Ausstellungsaktivitäten im Ruhrgebiet anlässlich der Kulturhauptstadt 2010 als ein besonderes Highlight angesehen werden.

Neben den Aufnahmen der Zeche Hannover bietet sich dem Besucher in Köln die Gelegenheit, weitere Bildgruppen der Bechers aus dem Ruhrgebiet zu entdecken, so von der Zeche Constantin, Bochum; Zeche Graf Moltke, Gladbeck; Zeche Helene, Essen; Zeche Königsgrube, Wanne-Eickel; Zeche Prosper, Bottrop und Zeche Wolfsbank, Essen. Die Aufnahmen sind in diesem Zusammenhang zum ersten Mal zu sehen, wenn auch einzelne Motive aus verschiedenen Typologien und Monographien des Künstlerpaars, wie zum Thema der Fördertürme, der Fabrikhallen, der Wassertürme, der Gasbehälter oder der Landschaften bekannt sein mögen. Insgesamt werden rund 300 Exponate aus der hauseigenen Sammlung ausgestellt, erworben mit Mitteln der Sparkasse KölnBonn, dem Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Kulturstiftung der Länder.

Seit dem Beginn der Kooperation zwischen der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur und Bernd und Hilla Becher im Jahre 1996, die nach dem Tod von Bernd Becher 2007 mit seiner Ehefrau fortgesetzt wird, ist dies die vierte Präsentation im Kölner Mediapark, die das Thema der systematischen Darstellung von weiträumigen Industrieanlagen und ihren Funktionseinheiten betrifft. Richtet sich nun erneut der Blick auf eine Bergwerksdokumentation der Bechers, so gibt dies einerseits die Möglichkeit, en detail einem fortwährenden künstlerischen Produktionsprozess zu folgen und andererseits einen Blick in den gewachsenen Bestand der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur zu werfen.

Bernd und Hilla Becher haben das Gelände der Zeche Hannover in methodisch unvergleichlicher und ausführlicher Weise aufgenommen und den Streifzügen, die beide mit ihren Großbildkameras unternahmen, lässt sich innerhalb der Ausstellung unmittelbar nachspüren. Dazu sei bemerkt, dass die Zeche über zwei Schachtanlagen verfügte …”

Hier ein Link zum Ausstellungsort, der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur Köln.

Die Ausstellung läuft vom 26. März bis zum 18. Juli 2010.

Übrigens ist die Zeche Hannover heute ein Standort des LWL-Industriemuseums.

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